Erdogan will Homosexuelle gemeinsam in Schwulen-Knast schicken

Redaktion Von Redaktion
Erdogan will Homosexuelle gemeinsam in Schwulen-Knast schicken
maigi / 123RF Stock Foto

Zum "Schutz der Verurteilten": Der türkische Premierminister Erdogan und seine Regierung wollen in Ankara ein Sondergefängnis ausschließlich für Schwule und Lesben sowie Bisexuelle und Transsexuelle bauen lassen.

Mit diesen Plänen trat jetzt der türkische Justizminister Bezir Bozdag an die überraschte türkische Öffentlichkeit. Offengelegt wurden die umstrittenen Pläne auf Anfrage des Sozialdemokraten Veli Agbaba im Parlament.

Als Grund für die Baupläne eines eigenen Schwulen-Knasts nannte der Erdogan-Minister den Schutz der homosexuellen Häftlinge vor Übergriffen.

Sexuelle Orientierung von Haftantritt preisgeben

Rund 80 Häftlinge mit einer schwulen oder lesbischen, Bi- oder transsexuellen Orientierung sitzen derzeit in türkischen Gefängnissen ein. Jedenfalls sind das die offiziellen Zahlen.

Die Dunkelziffer soll deutlich höher liegen, denn bislang mussten auch in der Türkei Strafgefangene bei Haftantritt nicht ihre sexuelle Orientierung preisgeben. Aus Angst vor Übergriffen haben das viele bisher auch nicht gemacht.

Prime Minister Office/CC BY-SA 2.0/Wikimedia
Türkischer Premier Erdogan

Türkischer Premier Erdogan

In Zukunft sollen alle Häftlinge gezwungen werden, beim Haftantritt ihre sexuelle Orientierung offenzulegen. Anschließend soll die Aussortierung der Schwulen und Lesben, der Bis und Transsexuellen erfolgen.

Sobald das neue Schwulen-Gefängnis in Ankara fertig ist, sollen alle betroffenen Häftlinge dort gemeinsam untergebracht werden. Und das angeblich alleine zu ihrem Besten und Schutz. Die Opposition und Bürgerrechtsorganisationen in der Türkei bezweifeln das.

Druck auf homosexuelle Gefängnisinsassen wächst

Veli Akbaba, der den Stein um das Sondergefängnis für Homosexuelle ins Rollen brachte, befürchtet eine Verschärfung des Drucks auf sexuell von der Mehrheit abweichende Gefängnisinsassen. Auch Efe Songün, Vorsitzender der Bürgerrechtsbewegung für Schwule in Istanbul, SPOD, lehnt die Erdogan-Pläne als menschenunwürdig ab.

Schon jetzt werden schwule und lesbische Häftlinge häufig in abgetrennten Trakten innerhalb der türkischen Gefängnisse untergebracht. Übergriffe durch Mitgefangene und sogar Wärter sind an der Tagesordnung. Bestraft wurde bislang niemand dafür.

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Weitere Quellen: 20min, Spiegel, DPA, maigi / 123RF Stock Foto - Prime Minister Office/CC BY-SA 2.0/Wikimedia