Ermordet, weil schwul

Redaktion Von Redaktion

Ahmet Yildiz wurde am 15. Juli 2008 in Istanbul erschossen. Nun beginntam Dienstag der Prozess gegen den Mörder – den eigenen Vater. IbrahimCan (44), der Partner des Opfers, wird dazu aus Köln nach Istanbulreisen.

(dbna.de / taz.de) Zum Auftakt des Prozesses gegen den Mörder seines Partners Ahmet Yildiz wird Ibrahim Can in Istanbul anwesend sein. Dem mutmaßlichen Täter der Vater des Opfers, der sich ins Ausland abgesetzt hat tritt er mit einer klaren Aufforderung entgegen: "Ich möchte aus seinem Mund hören: Ich habe ihn getötet, weil er schwul war." Der Mörder soll eingestehen, dass Homophobie sein Motiv war. Nach allen Erwartungen wird der Angeklagte aber nicht erscheinen, sondern sich, wie bisher vermutet, weiter im Nordirak versteckt halten. Dennoch will Can präsent sein. "Ich will dem Gericht zeigen: Hier bin ich, wo sind die Mörder?"

Auf der Straße erschossen

Am 15. Juli 2008 war Ahmet Yildiz auf der Straße vor seinem Istanbuler Appartement erschossen worden. Sein Outing vor der Familie hatte der Mitzwanziger kein ganzes Jahr zuvor hinter sich gebracht. Was dann folgte, waren emotionale Erpressungen, gar Morddrohungen. Er wandte sich darauf an die Polizei, erstattete Anzeige. "Hätte die Staatsanwaltschaft die ernst genommen, wäre Ahmet am Leben", zeigt sich der zurückgelassene Can überzeugt.

Seit 1979 lebt dieser in Köln und er war es auch der diesen Mordfall der internationalen Öffentlichkeit bekannt machte. Schwulen- und Lesbenverbände wurden von ihm kontaktiert, genauso Medien und Amnesty International. Sein Ziel war es, so Druck aufzubauen. Der Anwalt der Anklage, Firat Söyle, hat eine eigene Theorie zur Homophobie in der Türkei. Für ihn sind Unterdrückung, Verfolgung und Gewalt gegen türkischen Homosexuelle in ihrem Heimatland eine Folge der  Emanzipationsbewegung. "Ob ein Schwuler oder eine Transsexuelle Gewalt erfährt oder eine heterosexuelle Frau, die sexuelle Selbstbestimmung in Anspruch nimmt, stets geht es um die Angst des heterosexuellen Mannes vor Kontrollverlust", so Söyle im Gespräch mit der sonntaz.

Anklage wird durch Nebenklägerin unterstützt

Auch eine Nebenklage gibt es. So wurde die Unternehmerin und ehemalige Religionslehrerin Ümmühan Darama von einem Querschläger in den Fuß getroffen, weshalb sie nun auch aktiv dem Prozess beiwohnt. "Im Polizeipräsidium hat man mir gesagt: Sei froh, dass du nicht am Kopf getroffen wurdest, und misch dich da nicht ein!", berichtete die 44jährige. "Aber man kann doch nicht teilnahmslos zusehen, wenn ein Mensch getötet wird." Die anonymen Drohungen, welche sie aufgrund ihrer Anzeige erhalten habe, schüchtern sie nicht ein. Sie steht der Anklage ab Dienstag als Zeugin auch während des Prozesses weiter zur Verfügung.

dbna.newsletter
Bleibe immer up-to-date.
Abonniere unseren wöchentlichen Newsletter!
Weitere Quellen: taz.de, iStockPhoto.com / ahmetyildizismyfamily.blogspot.com