Erste Unterkunft für queere Flüchtlinge

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Erste Unterkunft für queere Flüchtlinge
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LGBTIQ*-Flüchtlinge erleben auch in Deutschland Abneigung und Homophobie, vor allem in Gemeinschaftsunterkünften. In Nürnberg ist deshalb jetzt die erste WG für queere Flüchtlinge zum Einzug bereit.

Flüchtlinge wie Harzhir haben lange Wege und grausame Erfahrungen hinter sich, bis sie in Deutschland ankommen. Der 24-Jährige ist aus seiner Heimat geflohen, um in Nürnberg Schutz zu suchen. Der Iraner wurde jedoch nicht von Krieg verfolgt, sondern von seiner eigenen Familie. Denn Harzhir ist schwul.

"Meine streng islamische Familie im Iran weiß das - deshalb will sie mich töten", erzählte er der Bayerischen Staatszeitung. Doch die Diskriminierung hatte nach der Flucht kein Ende: In der Gemeinschaftsunterkunft wurde er ausgelacht und verspottet.

Schätzung: 600 von 8000 Nürnberger Schutzsuchenden sind homosexuell

Deshalb hat er sich an den Verein Fliederlich gewandt, der das Schwul-lesbische Zentrum in Nürnberg betreibt. Damit hat er einen Stein ins Rollen gebracht: Seit Montag gibt es nämlich Deutschlands erste Unterkunft für queere Flüchtlinge.

Die Wohnung besteht aus fünf Doppelzimmern auf zwei Etagen sowie einer Küche, wo sich die Flüchtlinge selbst versorgen können. Der Verein wartet jetzt auf die Zuweisung der ersten Flüchtlinge, sagt Fliederlich-Geschäftsführer Michael Glas. Die Stadt Nürnberg erstattet die Mietkosten zum größten Teil.

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Auch in Berlin ist eine Unterkunft für queere Flüchtlinge geplant.

Auch in Berlin ist eine Unterkunft für queere Flüchtlinge geplant.

"Wir wurden durch Harzhir erst auf die Probleme von homosexuellen Flüchtlingen aufmerksam, mittlerweile haben uns zwei Dutzend weitere Flüchtlinge um Hilfe gebeten", sagt Glas. Er schätzt, dass von den 8000 Nürnberger Schutzsuchenden etwa 600 homosexuell sein könnten. Er ergänzt: "Manche Moslems sehen in der Anwesenheit von homosexuellen oder transsexuellen Menschen in den Unterkünften einen Affront."

Bereits 25 Interessenten für Nürnberger Wohngemeinschaft

Der Bedarf an eigenen Unterkünften ist also groß. In Berlin ist ein ähnliches Projekt geplant, im März könnte sie eröffnet werden. Laut Lesben- und Schwulenverband (LSVD) kam es allein zwischen August und Dezember zu 95 gewalttätigen Vorfällen. Die meisten hätten sich in Flüchtlingsunterkunften ereignet. Der Großteil sei zudem laut Verband nicht bei der Polizei angezeigt worden. Die Dunkelziffer dürfte also noch deutlich größer sein.

Wer in die Wohnung von Fliederlich einziehen darf, entscheidet die Stadt Nürnberg und die Regierung von Mittelfranken. 25 Interessenten hätten sich bereits bei Verein gemeldet. Für Harzhir kam die WG jedoch zu spät: Er wurde vor der Eröffnung in ein anderes Bundesland verlegt.

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