Erster schwuler Bürgermeister Polens

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Erster schwuler Bürgermeister Polens
russavia/CC BY 2.0/Wikimedia

Robert Biedron hat am Sonntag überraschend die Bürgermeister-Stichwahl von Slupsk gewonnen: Damit ist er das erste offen schwule Stadtoberhaupt im konservativen Polen.

57,1 Prozent: Das ist der Anteil der Stimmen, den Robert Biedron erhielt. Damit setzte sich der Politiker von der linksliberalen Partei Twoj Ruch (Deine Bewegung) gegen den Kandidaten der liberalkonservativen Bürgerplattform PO durch. Das ist eine Sensation im kirchlich-konservativen Polen: Denn der 38 Jahre junge Politiker ist offen schwul und setzt sich für die Gleichberechtigung Homosexueller ein.

Slupsk ist eine Stadt mit fast 100.000 Einwohnern im Norden Polens, nahe der Ostseeküste. Für seinen Wahlkreis, der neben Slupsk auch Gdynia (Gdingen) umfasste, war er bereits 2011 ins Parlament eingezogen. Seitdem wurde er viermal körperlich angegriffen, seine Büros wurden beschmiert. "Schwuchtel" gehörte noch zu den harmloseren Ausdrücken, mit denen er im Wahlkampf beleidigt wurde.

Kritik von der Kirche

Denn Robert Biedron kämpft für die Homosexuellen in Polen, sieht sich als Vorkämpfer. Die katholische Kirche, die im Land großen Einfluss hat, reagierte kritisch. Im ZDF sagte ein Priester aus Slupsk: "Der Herr stellt uns vor eine Prüfung. Vielleicht haben wir nicht genug gebetet." Nach seiner Wahl sprach der neue Bürgermeister von einem "sehr guten Zeichen" und einem "neuen Kapitel für Slupsk". Jetzt steht Biedron vor großen Aufgaben: Er will die verschuldete Stadt wieder in die schwarzen Zahlen führen. Ein erster Schritt ist getan: Er will auf seinen Dienstwagen verzichten.

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