"Es klingt klischeehaft: Ich möchte helfen"

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
"Es klingt klischeehaft: Ich möchte helfen"
Jan Di

Aktiv oder passiv? Sex im Schwimmbad? Coming-out als Bisexueller? Jan widmet sich in seinem YouTube-Channel vor allem Fragen aus dem schwulen Leben. Damit ist er ziemlich erfolgreich. Trotzdem ist YouTube nicht mehr als ein Hobby für ihn.

"Hallo, herzlich Willkommen heute auf meinem Channel, ich bin der Jan und willkommen zu einem kleinen Video mit einem Thema, wo ich mit euch drüber sprechen wollte, wo ich mir nicht sicher war, ob ich darüber sprechen will, weil es mir selbst mega unangenehm war. Aber ich dachte mir so, ihr mögt meine Geschichten über mein Leben."

Dann redet Jan über Sex im Schwimmbad. Seine Erfahrung, wie ihn jemand ziemlich penetrant angeflirtet hat und ihm immer näher kam. "Und die ganze Zeit hat er meine Beine berührt", erzählt Jan. "Um jetzt mal ganz ehrlich zu sein: Ich war überhaupt nicht in Stimmung."

"Ich bin niemand, der sein ganzes Leben danach richtet"

Frei von der Leber, ohne Blatt vorm Mund, spricht der YouTuber Jan Di über solche Momente. Und das kommt gut an: Sein beliebtestes Video hat über 55.000 Klicks. Doch er legt es nicht darauf an, dass sein Channel größer wird. "Ich bin kein großer YouTuber", sagt er bescheiden. "und ich bin wahnsinnig froh, dass ich immer mehr Abonnenten bekomme. Aber das ist nicht mein Hauptfokus."

Jan Di

Denn Videos zu machen, ist für ihn ein Hobby. "Ich bin niemand, der sein ganzes Leben danach richtet", erklärt der 24-Jährige. Er versucht, zwei Videos pro Woche zu drehen, aber nur, wenn er wirklich Zeit dafür hat.

"So klischeehaft das klingt: Ich möchte Leuten helfen"

Angefangen hat es vor etwa zwei Jahren. Doch seit einem halben Jahr behandelt er vor allem schwule Themen. Da hat das Lifestylemagazin GQ eine Aktion gestartet, bei der sich Stars als Zeichen gegen Homophobie geküsst haben. Und die GQ hat dazu aufgerufen, die eigene Geschichte zu erzählen. Das hat Jan gemacht. "Das Video kam für meine Verhältnisse echt gut an. Es hat mich motiviert, weil ich so Leuten helfen konnte."

So ist das heute der größte Antrieb hinter seinem Channel. "So klischeehaft das klingt: Ich möchte Leuten helfen", sagt der Düsseldorfer. Oft bekommt er Fragen über Facebook oder als Kommentar unter seinen Videos. "Natürlich habe ich nicht auf alles eine Antwort. Und ich bin auch kein Psychologe, ich kann nur meine Meinung und aus meiner Erfahrung erzählen."

Jan war viel in der Szene unterwegs heute ist er kritisch

So kommt es zu Videos wie "Soll ich mich als bisexuell outen?" oder "Schwuchtel: Beleidigung oder nicht?". Es freut ihn, wenn Leute wissen wollen, was er auf solche Fragen antwortet. Noch beliebter sind aber Jans Dating- und Flirtpannen oder seine Ausraster über Nacktbilder und die App Grindr: "Meine Fresse, warum schicken sich Leute Nacktbilder?"

Jan Di

Wieso er sich so über freizügige Fotos aufregt? "Ich bin kein Moralapostel und will auch keiner sein. Die Leute sollen einfach ein bisschen aufpassen", findet er. Auch der schwulen Szene steht er mittlerweile eher kritisch gegenüber. "Ich war früher sehr viel in der Szene unterwegs", erzählt er. Zwischen 16 und 20 war er etwa viermal pro Woche in Clubs und Bars unterwegs. Da hat er sich nicht anders verhalten als die Leute, über die er sich heute aufregt, gibt er zu.

Der einzige YouTuber in Deutschland, der solche Videos macht

"Irgendwann war aber ein Punkt erreicht, wo ich Stop gesagt habe", erklärt er. "Ich verurteile die Szene nicht, aber sie stresst mich. Sie ist übertrieben. Und die ganzen jungen Jungs, die meinen, eine Bitch sein zu müssen." Dennoch bereut er seine Szene-Zeit nicht. Er habe viel draus gelernt.

Und trotzdem oder gerade deshalb widmet er sich wohl als einziger deutscher YouTuber explizit und fast ausschließlich schwulen Fragen. Geht die Kamera an, ist Jan aber etwas aufgedrehter als im normalen Leben. Überhaupt will er sein Hobby von seinem Privatleben trennen.

Jan Di

Jans Channel: Kaum Hasskommentare

Wenn ihn jemand auf der Straße auf seine Videos anspricht, findet er das zwar süß. "Aber ich kann damit nicht umgehen. So fangeil bin ich nicht." Auch auf der Arbeit erzählt er nichts von seinem Hobby. "Das hat da einfach nichts zu suchen", findet er.

Doch führt das nicht zu Hasskommentaren? Viele fühlen sich im Internet anonym. Ein Schwuler, der so knallhart über schwule Themen spricht, könnte da ein perfektes Opfer sein. Jan hat damit aber kaum Probleme.

"Dann höre ich einfach auf damit"

"Ich glaube, das liegt daran, dass meine Videos selbstbewusst wirken. Da traut sich keiner, was Negatives zu schreiben. Ich biete denen keine Angriffsfläche." Über ein "ey du Schwuchtel", was schon ab und an auftaucht, kann er deshalb nur lachen.

Was er für die Zukunft vorhat? "Einfach so weitermachen." Jan macht YouTube als Hobby, aus Spaß, er nimmt sich selbst nicht zu ernst. Solange er positives Feedback bekommt, solange macht er YouTube-Videos. "Wenn die Leute irgendwann nichts mehr fragen oder wissen wollen, dann höre ich einfach auf damit." 

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