Fotograf Phil Porter provoziert mit Jesus-Foto

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Fotograf Phil Porter provoziert mit Jesus-Foto
Phil Porter

Ein nackter Mann in Kreuzigungs-Pose. Vor seinem Penis hält er das Jesuskreuz: Phil Porters Selbstportrait will provozieren. Der 27-jährige Fotograf erklärt, was das Foto mit dem Titel "Comingout" bedeutet.

Der Hintergrund ist gold-braun, er scheint zu brodeln wie die Hölle. Davor ein nackter, junger Mann in Kreuzigungspose. Wie bei seinem Vorbild sind die Rippen sichtbar. Doch der Mann ist nicht verwundet, ihm fehlt der Lanzenstich auf der linken Seite. Stattdessen trägt er eine Sonnenbrille, sein Gesichtsausdruck ist gleichgültig. Statt einem Leinentuch trägt er Jesus Chrisus vor seinem Penis.

Das Foto stammt von Phil Porter, einem 27-jährigen Bildpoeten - so seine Eigenbezeichnung. Der Titel: "Coming-out". "Mir ist es ein großes Anliegen, nun mehr offen und durchaus auch provokant über das Thema sexuelle Findung und das Erwachsenwerden zu sprechen", erklärt er.

"Liebe kennt weder Geschlecht noch Reglements - wozu also Schubladen?"

Mit seinen Arbeiten möchte er Diskussionen anstoßen und zum Nachdenken anregen. "Ich selbst erlebe immer wieder, wie Kollegen und Freunde immer noch mit Vorurteilen und Ausgrenzungen zu kämpfen haben", sagt der Fotograf aus Bremen.

"Coming-out" ist ganz spontan entstanden. Bei einem Shooting mit Kollegen kam ihm die Idee fürs Motiv. Einige Tage später hat er es mit einem Selbstauslöser umgesetzt. Zum Hintergrund des Bildes sagt er: "Ich vertrete die These, dass die Einteilung in homo, hetetro, bi und Co. niemanden nützt, sondern nur schadet. Man benötigt sie im Grunde nicht. Liebe kennt halt kein Geschlecht und erst Recht keine Reglements - wozu bedarf es da noch Schubladen?"

Doch was genau will der Künstler damit sagen, wenn er sich Jesus Christus vor den Schwanz hält? Er erklärt: "Zum Einen ist Jesus stellvertretend für jeden von uns am Kreuz gestorben. Er hat gelitten, weil er ausgegrenzt wurde und Ansichten vertrat, welche nicht jedem gefallen haben." Das sei im Grunde auch das Motiv vieler Gewalttaten gegen Schwule, ergänzt er.

"Jesus vor dem Genital leiden zu lassen ist eine handfeste Provokation"

"Gleichzeitg ist Jesus nunmehr eine Ikone, das Gesicht einer Weltreligion. Ein stolzes Vorbild und im weitesten Sinne auch eine Metapher - denn heute wird er mehr denn je verehrt", sagt der 27-Jährige. Das Foto soll die Hoffnung auf eine bessere Zukunft ohne Gewalt und Böswilligkeit zeigen. Mit der Sonnenbrille und einem lässigen Gesichtsausdruck lässt er die Kritik und die Schmach von sich apprallen. "Denn ich weiß um mein Recht auf Liebe und Leben!"

Schließlich ist das Foto auch sarkastisch, da Phil selbst vor vielen Jahren bereits aus der Kirche ausgetreten ist, weil er die offiziellen Ansichten der Kirche nicht mehr vertreten konnte und wollte.

Und was bedeutet nun Jesus vor seinem Penis? Phil erklärt: "Jesus vor dem Genital leiden zu lassen ist eine handfeste Provokation, welche allerdings alle von mir gewollten Aspekte mit einem Schlag zusammenfasst."

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