Frag lieber deine Eltern

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Frag lieber deine Eltern
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Wer in der neuen Kinder-Suchmaschine Kiddle nach "schwul" sucht, bekommt keine Ergebnisse. Man solle lieber seine Eltern fragen, rät eine Fehlermeldung.

Das Internet steckt voller Inhalte, die nichts für Kinder sind, die aber trotzdem sehr leicht gefunden werden können. Heranwachsenden deshalb das Internet zu verbieten, ist schier unmöglich. Eine vermeintliche Lösung: Die Kinder-Suchmaschine Kiddle.co, die Ergebnisse nach dem Algorithmus von Google Safe Search liefert.

Dabei setzt Kiddle vor allem auf Bilder und große Schriftarten. Wer jedoch nach LGBTIQ*-Begriffen sucht, der bekommt keine Ergebnisse angezeigt. Schon die Suche nach "gay" zeigt eine Fehlermeldung.

Das Internet als erste Anlaufstelle 

"Obwohl Kiddle nichts gegen die LGBTI-Community hat, ist es schwierig die Sicherheit aller Suchergebnisse für solche Anfragen zu garantieren. Wir empfehlen, dass du mit deinen Eltern oder Vormund über solche Themen sprichst", steht da.

Allen LGBTIQ*-Suchergebnissen vorzuwerfen, sie könnten gefährlich sein, grenzt an Diskriminierung und bestätigt Vorurteile. Auch wenn Kinder hier beschützt werden sollen, bedeutet das auch, dass sie sich nicht über Homo- oder Biseuxalität informieren können. Dabei ist das Internet heute oft die erste Anlaufstelle für Heranwachsende, die glauben, dass sie schwul sind. Nicht alle können oder wollen sich ihren Eltern anvertrauen.

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Die Suche nach "gay" liefert jedoch keine Treffer.

Die Suche nach "gay" liefert jedoch keine Treffer.

Ignoranz statt Aufklärung

Andere Begriffe blockiert Kiddle nicht ganz so freundlich. Wer etweder nach "Pistole" oder "Penis" sucht, der bekommt folgende Nachricht: "Oops, sieht so aus, als würde deine Anfrage böse Wörter enthalten. Bitte versuche es erneut."

Zu diesen "bösen Wörtern" gehört aber auch die Begriffe "Pubertät" oder "Selbstmord". Kritiker werfen Kiddle deshalb Ignoranz vor, statt Kinder auf geeignete Weise aufzuklären. "Was bringt eine Suchmaschine, die nichts findet?", spotten Nutzer auf Twitter.

Update: Suche nach "gay" mittlerweile möglich

Offenbar hat der Seitenbetreiber auf die internationale Kritik reagiert. Die Suche nach Wörtern wie "gay" oder "lesbian" ist mittlerweile möglich. 


Hinweis: Zuletzt aktualisiert am 1. März 2016, 21:00 Uhr

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Und auch "Pubertät" gehört zu den bösen Wörtern.

Und auch "Pubertät" gehört zu den bösen Wörtern.

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