Friedlicher Protest gewaltsam aufgelöst

Falk Steinborn Von Falk Steinborn

Die russische Polizei hat vor dem Finale des Eurovision Song Contestseinen friedlichen Protest von Schwulen und Lesben in Moskau gewaltsambeendet. Mindestens 30 Männer und Frauen wurden, zum Teil imWürgegriff, abgeführt.

Die russische Polizei hat vor dem Finale des Eurovision Song Contests einen friedlichen Protest von Schwulen und Lesben in Moskau gewaltsam beendet. Mindestens 30 Männer und Frauen wurden, zum Teil im Würgegriff, abgeführt. Unter ihnen ist auch der Vorsitzende des russischen Schwulen- und Lesbenverbandes, Nikolai Alexejew. Er wurde an Händen und Füßen in ein Polizeiwagen gezerrt. Augenzeugen berichten weiter, dass Polizeikräfte des Sonderkommandos Omon die Demonstranten jagten und sie anschließend in einen Gefängniswagen sperrten.  Geschlagen wurde aber nach bisherigen Berichten niemand.





Kürzeste Parade aller Zeiten

Die Protestanten hatten sich am Vormittag entgegen des Demonstrationsverbots- vor der staatlichen Lomonossow-Universität versammelt.  Dort entrollten sie Plakate, auf denen sie Menschenrechte für Schwule und Lesben einforderten. Unter den Demonstranten befand sich auch der britische Menschenrechtsaktivist Peter Tatchall. Kurz nach seiner Festnahme sendete er folgende Worte über Twitter: "Festgenommen. Kürzester Protestzug auf dem ich je war." Am frühen Nachmittag schrieb er dann weiter: "Freigelassen aus der Polizeistation. Aber ich bin tief beunruhigt über Nikolai Alexejew. Seit der Festnahme habe ich nichts von mehr von ihm gehört.



Angesichts der gewaltsamen Auflösung des friedlichen Protests appellierte der Grünen-Politiker Volker Beck an die den Eurovision Song Contest: "Alle Eurovisionsteilnehmer und die übertragenden Fernsehanstalten sind aufgerufen, jetzt ihren Protest zum Ausdruck zu bringen." (tagesschau.de) Weiterhin forderte er: "Man kann nicht einfach weggucken und nun zur Tagesordnung übergehen. Nun ist Zivilcourage gefragt." Beck hatte selbst 2006 an einer verbotenen Demonstration von Schwulen und Lesben in Moskau teilgenommen und war damals verletzt worden.

Öffentliche Ächtung gehört zum Alltag

Schwulen- und Lesbenparaden wurden in der Vergangenheit immer wieder vom Moskauer Bürgermeister verboten. Dieses Vorgehen ist das Sinnbild für die Situation von Schwulen und Lesben in Russland. Zwar steht Homosexualität seit 1993 nicht mehr unter Strafe und gilt auch seit 1999 nicht mehr als Geisteskrankheit. Dennoch werden Schwulen und Lesben nicht alle Bürger- und Menschenrechte zugestanden, z.B. das Recht auf Versammlungsfreiheit. Außerdem sind sie der Ächtung durch die Öffentlichkeit ausgesetzt.

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Weitere Quellen: Istockphoto