Gel statt Kondom?

Christian Brandl Von Christian Brandl

Ein neues Mikrobizid in Gel-Form hat sich in Versuchen mitRhesusäffchen als wirksames Schutzgel gegen HIV-Infektionenherausgestellt. Schon seit mehreren Jahren sind Mediziner auf der Suchenach solchen Wirkstoffen, die sowohl als chemische Verhütungsmittel,wie auch als Viren- und Bakterienkoller angewendet werden können.

Das getestete Mikrobizid besteht aus kleinen Peptiden, die denAids-Erreger daran hintern, in die Zellen der Schleimhaut einzudringen,indem ein Molekül des Wirkstoffs das Virus am Eindringen hindert undein weiterer Wirkstoff ein Protein der Hülle des HI-Virus angreift. Eindritter Bestandteil verhindert die dauerhafte Einnistung des Virus beiden Versuchstieren.

Bei dem getesteten Gel handelt es sich um ein Präparat für denvaginalen Einsatz und 51 weibliche Rhesusaffen wurden im Rahmen derStudie einer hohen Dosis eines HI-Virus ausgesetzt. Dieser Virus ähneltdem für den Menschen gefährlichen Aids-Erreger stark. 75 Prozent derAffen blieben dank des Gels ohne Infektion, diejenigen, welche dievollständige Wirkstoffkombination erhalten hatten, blieben sogar völliginfektionsfrei. Die Wirkung des Gels hielt bis zu sechs Stunden an.

In einem Großversuch im südlichen Afrika soll nun die Erprobung desVaginal-Gels am Menschen fortgesetzt werden. Rund 10.000 Frauen ausSüdafrika, Uganda, Tansania und Sambia sollen das Präparat erproben.Viele afrikanische Männer lehnen die Verwendung von Kondomen ab,weshalb ein geruch- und farbloses Gel als unbemerkter Ersatzschutz fürFrauen effektiven Schutz der eigenen Gesundheit bieten könnte. Das Gelhatte im Tierversuch auch andere sexuell übertragbare Krankheiten wieChlamydien, Herpes oder Gonorrhö verhindert.

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Weitere Quellen: Spiegel ONLINE / Frankfurter Rundschau