Geteilte Kirche

Patrick Fina Von Patrick Fina

Homosexualität beschäftigt nicht nur die römisch-katholische Kirche. ImGegenteil: auch die Anglikanische Kirche plagt sich gerade mit diesemThema. Ein schwuler Bischof – ob das gut gehen kann? Unter denGläubigen bahnt sich eine Krise an.

Damit hat Gene Robinson wohl nicht gerechnet, als er im Märzvergangenen Jahres seine Investitur zum neuen Bischof von New Hampshiregefeiert hat. Ab sofort war er ein hohes Tier in der Episkopalkircheder Vereinigten Staaten, ein Mann mit viel Verantwortung undRepräsentativität gegenüber den 2,3 Millionen Christen in den USA, dieden Episkopalisten angehören. Dass er innerhalb derGlaubensgemeinschaft polarisieren würde, damit hat Robinson gerechnet.Schließlich bekannte er sich von vorneherein offen zu seinerHomosexualität und stieß damit nicht immer auf Zustimmung. Trotzdemglaubte er sich stark in seinem Amt, zählte auf den Zusammenhalt seinerKirche. Doch das, was viele Beobachter befürchtet haben, trat ein. EinStreit zwischen Befürwortern und Gegnern, die einen setzten sich fürRobinson ein und die anderen distanzierten sich strikt von ihm undseiner Lebenseinstellung. Nicht zuletzt deshalb befindet sich dieEpiskopalkirche nun in einer Krise, aus der sie so leicht nicht wiederherauskommen kann.

Streit über Homosexualität habe "das Gefühl geschwächt"

Nun steckt man also in der Krise, und guter Rat ist teuer. Auf einerVersammlung von 35 Bischöfen am Donnerstagabend in Nordirland beschlossman, dass sich die Anglikanische Kirche und die Episkopalkirche, eineUntergruppe, auf einem Treffen im Juni dringend über ihre Haltung zumThema Homosexualität austauschen müssten. Bis dahin soll es einMoratorium geben, das sich auf die öffentliche Einsegnunggleichgeschlechtlicher Paare und auf die Einsetzung von Bischöfenerstreckt, "die in einer sexuellen Beziehung außerhalb der christlichenEhe leben."

Tief scheint er also zu sein, der Spalt durch die Glaubensgemeinschaft.So tief, dass sich sogar der Erzbischof von Canterbury Rowan Williams,das geistige Oberhaupt der anglikanischen Kirche, zu Wort meldete. DerStreit über die Homosexualität habe "das Gefühl geschwächt", sagte eram Donnerstag Abend, "wenn nicht sogar zerstört, dass wir innerhalb deranglikanischen Gemeinschaft wirklich die gleiche Sprache sprechen."

Harte Worte, die Frank Griswold allerdings nicht aus der Fassungbringen können. Griswold ist der oberste Bischof der Episkopalkirche,und blickt optimistisch in die Zukunft. Für ihn sind die Worte ausNordirland keineswegs negativ. Schließe bringe man den tiefen Wunschzum Ausdruck, die anglikanische Gemeinschaft trotz der tiefenDifferenzen zu erhalten. Wie der Streit im Juni ausgehen wird, bleibtabzuwarten.

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Weitere Quellen: yahoo News