Gewalt gegen Schwule

Patrick Fina Von Patrick Fina

Gewalt gegen Schwule wird weiterhin oft totgeschwiegen – nicht zuletzt auf Seiten der Opfer. Deshalb werden rund 90% der Straftaten nie zur Anzeige gebracht. Und trotzdem ist Gewalt gegen Schwule immer vorhanden!

"Liebe deinen Nächsten aber welchen Geschlechts der Nächste sein soll, wurde nie erwähnt."

Gewalt gegen Schwule wird weiterhin oft totgeschwiegen nicht zuletzt auf Seiten der Opfer. Nur wenige schwule Opfer trauen sich, bei der Polizei Anzeigen zu erstatten. Gründe sind unter anderem Angst auf Seiten der Opfer vor der Polizei und dem Bekannt werden ihrer Homosexualität. Dementsprechend hoch ist natürlich die Dunkelziffer bei Gewalttaten gegen Homosexuelle. Experten schätzen, dass ungefähr 90% der Straftaten nie zur Anzeige gelangen. Dabei besagen Studien aus den USA, dass jeder fünfte Schwule Opfer antihomosexueller Gewalt gewesen ist. Hierzu zählen sowohl psychische wie auch physische Gewalttaten, z.B. Pöbeleien, Diskriminierungen, Einschüchterungen, Erpressungen, aber auch Diebstahl, Raubüberfälle, Vergewaltigungen oder Mord.

Auch in unserer heutigen, einigermaßen toleranten Zeit, sind viele Schwule immer noch dazu gezwungen, ihre Homosexualität zu verbergen. Aus Angst vor Repressalien unterschiedlichster Art im Familien- und Freundeskreis oder auch am Arbeitsplatz. Aber wie kommt es überhaupt zu antihomosexueller Gewalt? Niederländische Wissenschaftler sagen, dass hinter der Gewalt meist die Ablehnung homosexueller Neigungen steht. Die Täter sind also keine Schwulen, sondern meist junge Männer, die mit ihrer Männlichkeit und Männerrolle Probleme haben. Sie schlagen, würgen oder stechen scheinbar aus Hass auf Homosexuelle. Das soll im Gegenzug nicht heißen, dass Schwule und Lesben Engel sind, aber die meisten Übergriffe auf Homosexuelle finden nun mal eben von außen, also außerhalb der Szene statt. Von den Schwulengruppen wurde das Thema "Gewalt gegen Homosexuelle" sehr lange vernachlässigt, nicht zuletzt auch deshalb, weil Schwule nur wenig Verständnis für ihr Anliegen in der Öffentlichkeit gefunden hätten. Während die Aids-Krise ins Rollen kam, forderten die neuen Aufklärungskampagnen immer weitere Diskussionen über die schwule Lebensweise. Leider passierte gleichzeitig auch, dass die damals so genannte "Schwulen-Pest" (also Aids) immer mehr Leute mit Hass erfüllte, und die Gewalttaten an Schwulen weiter zunahmen.

Gewalttaten liegen, wie jeder weiß, im Aufgabengebiet der Polizei. Sie muss versuchen, den Täter vor weiteren Übergriffen abzuhalten. Viele Schwule tun sich aber schwer gegen den Täter Anzeige zu erstatten, denn hilfesuchende Opfer erleben oft unsensibles, beleidigendes und verletzendes Verhalten der Beamten. Weiterhin bestehen auf der anderen Seite umfangreiche Vorurteile in der "Männlichkeits-Domäne Polizei" gegenüber Schwulen. Hans Janssen-Groesbeek, Gründer eines Vereins, der die Interessen schwuler Polizisten vertritt, sagt, dass in den Niederlanden Opfern antihomosexueller Gewalt oft von Polizisten vorgehalten wird, dass sie selbst Schuld an der Gewalttat seien. "Da hätten sie sich eben nicht aufhalten dürfen", oder "Dann hätten Sie sich dort nicht so auffallend verhalten dürfen" sind nur einige der verletzenden Bemerkungen gegenüber den Opfern.  Trotzdem ist der Gang zur Polizei ratsam! Zwar können die Beamten nicht zur Bekämpfung der gesellschaftlichen Ursachen herhalten, aber sie können versuchen den Täter ausfindig zu machen und ihn so an weiteren Straftaten hindern.

Solange wir Schwulen nicht unsere vielvertretene Angst vor der Polizei verlieren, und diese nicht anfängt, Vorurteile abzubauen, wird sich an der Situation nichts ändern. Streiten wir uns nicht lange, wer den ersten Schritt aufeinander zu tut. Sobald jemand antihomosexuelle Gewalt erlebt, sollte diese sofort zur Anzeige kommen. Damit trägst du deinen Teil bei, die antihomosexuelle Gewalt ein wenig unter Kontrolle zu kriegen. Und auf weite Sicht, wird sich dann an der Situation etwas ändern. Ganz bestimmt!

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Weitere Quellen: denktag.de