Grauzonen der Treue

Redaktion Von Redaktion

Die Frage, was Treue eigentlich ist, kann man sicher viel debattieren.So geschah es auch die Tage mit ein paar Freunden. Darf dein Freundeinem Anderen hinterher schauen? Gar nicht so leicht, das Thema…

Die Frage, was Treue eigentlich ist, kann man sicher viel debattieren.So geschah es auch die Tage mit ein paar Freunden. Darf dein Freundeinem Anderen hinterher schauen? Darfst du heiße Flirts auf derTanzfläche wagen? Wie geht ihr mit erotischen Bildern im Internet um?Gar nicht so leicht, das Thema

Eine heiße Frage
"Als mein Freund mich aufforderte, mich mit der Webcam zu vergnügen,wusste ich, dass unsere Beziehung nicht mehr funktioniert!" Ich warplatt. Das ist eine ziemlich krasse Aussage. Und prompt debattiertenwir zu viert über Treue, Fremdgehen und die Frage, was man eigentlichdem festen Freund zugesteht. Wer nicht gerade eine offene Beziehunghat, der muss sich schon Gedanken darüber machen, was für ihneigentlich "Treue" bedeutet. Leider ist das gar nicht so einfach, dennSexualität ist nun mal ein elementarer Bestandteil des menschlichenWesens. Wer schaut denn nie einem schnuckeligen anderen Typenhinterher? Wer genießt nicht, wenn er angeflirtet wird? Und wer kannsich davon freisprechen, nicht auf erotische Elemente in den Medienanzuspringen?

Zwischen "Null Problemo" und "Super-GAU"
Jeder kennt die Leute, die vor Eifersucht explodieren, wenn man ihrenFreund nur zwei Sekunden lang angeschaut hat. Viele werden mirzustimmen, wenn ich solches Verhalten als kindisch bezeichne. Aber sehrschnell kommt doch ein Punkt, an dem man selbst merkt, dass man nichteinverstanden ist mit dem Verhalten seines Partners. So sagte ich zueinem guten Freund mal, ich fände es nicht gut, dass er einen süßenKellner fotografiert hat, obwohl er doch in einer Beziehung stecke.Dabei surfe ich doch selbst auf den Profilen von attraktiven Typenherum und schaue mir ihre Bilder an. Deswegen sind sie ja noch langedas, was man so schön als Wichsvorlage bezeichnet. Dann aber gibt es jada auch noch die Bilder im Internet, die explizit pornographischerNatur sind. Und die schaut man sich doch auch nicht gelangweilt an undgeht dann auf eine Homepage mit Witzen. Ist das denn Untreue meinemFreund gegenüber? Muss man damit ein Problem haben? Als wir vier unsunterhalten haben, waren wir uns einig: Gucken und ein bisschenschwärmen ist erlaubt! Aber was wir nicht gutheißen darüber gibt eskeinen Konsens!

Von Chats bis Pornographie
 Wie ich eingangs schon sagte, fand ich die Geschichte mit der Webcamein ganz schön starkes Stück! Über die Vorstellung, dass mein Freundmit einem anderen Typen über eine Webcam sich Befriedigung verschafft,wäre ich nicht gerade erfreut. Ein anderer in unserer Runde meinteaber, es sei für ihn da ein definitiver Unterschied, ob es sich nur umden Oberkörper und Schritt handelt, oder ob man auch die Gesichtersieht. Ja und was ist, wenn man gar kein Bild sieht, sondern man nurchattet? Sich da scharf macht und sich irgendwelche Anzüglichkeitenschreibt? Und macht es einen Unterschied, ob das über Instant Messagesoder im direkten Chat passiert? Und bei pornographischem Material: Istes da etwas Anderes, wenn man sich Filmchen anschaut, die professionellgemacht sind oder dir von einem (Un-)Bekannten geschickt werden? VieleFragen, aber gibt es "die" Antwort?

Ein Kuss, eine Berührung, mehr nicht
Es ist ganz interessant, dass mein Freund es zum Beispiel wenigerschlimm finden würde, wenn man in betrunkenem Kopf in der Disco mal miteinem Fremden rumknutscht, als wenn man sich per Webcam jemanden sucht,um sich Befriedigung zu verschaffen. Bei mir wäre das andersrum. Einigsind wir uns, dass wir beides nicht gut fänden. Aber wenn man esdennoch in einer Wertigkeit sehen würde, wären wir da anderer Meinung.David meint, wer sich hinsetzt und was mit der Webcam startet, der geheeben bewusster an die Sache, als jemand, der in einen Flirt, eineBerührung, einen Kuss hineinschliddert. Mir widerstrebt aber, dass esin dem Fall keine räumliche Distanz mehr gibt zwischen den beidenBeteiligten.

Alles, nur nicht schwarz-weiß
Das Einzige, was sicher ist bei der sexuellen Treue, ist dieUndefinierbarkeit. Was jeder für sich als untreu empfindet, lässt sichnicht verallgemeinern. Man muss allerdings sich selbst auch malhinterfragen. Es wäre naiv, den sexuellen Trieb verneinen zu wollen.Sexualität beschränkt sich eben nicht auf den Partner, selbst wenn erder Einzige ist, mit dem man Sex hat! Ein guter Freund von mir bekamvon seinem Freund verboten, bei einem bekannten Chatportal sein Profil zu behalten, damit er nicht in Versuchung kommt, sich Profile andererNutzer anzuschauen. Wer so panisch seinen Partner kontrolliert, solltemal überdenken, ob er seinem Freund überhaupt vertraut. Wird er auf derStraße nicht auch mal jemanden treffen, der sexy ist? Ja. Und auch denwird er nicht sofort ins nächste Gebüsch schleifen. Und wenn doch,braucht er dafür auch kein Chatportal.

Reden ist Gold
Wichtig und einzig richtig bleibt am Ende, dass man mit seinem Freunddarüber redet, was erlaubt ist und was Probleme machen könnte. Nur werweiß, wie der Andere empfindet, kann verhindern, dass er seinem Partnerungewollt wehtut. Wenn man es schafft, ein vernünftiges Bild von seinereigenen Sexualität und den Umgang damit zu bekommen, der kann sich auchmit seinem Freund darüber verständigen, wenn mal etwas nicht so läuftwie man es gern hätte und natürlich auch mal darüber nachdenken, wasman selbst zu locker oder zu eng sieht. Abseits von einem Seitensprungist sexuelle Treue eben nicht mehr mit einem Satz definierbar. Dafürsind wir zu komplex. Dafür sind wir eben menschlich.

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