Großbritannien rehabilitiert verurteilte Schwule

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer

Das Justizministerium hebt die Urteile auf, nach denen schwule Männer bis 1967 ins Gefängnis mussten. Eine Entschädigung gibt es nicht. Benannt ist das Gesetz nach Alan Turing, dem wohl berühmtesten Opfer der Schwulenverfolgung.

Großbritannien wird sich offiziell bei den über 49.000 Männern entschuldigen, die wegen ihrer Homo- oder Bisexualität verurteilt wurden. Das hat das Justizministerium am Donnerstag bekanntgegeben. Bis 1967 war männliche Homosexualität verboten, Verurteilten drohten bis zu fünf Jahre Gefängnis.

Bereits seit 2012 können Betroffene beantragen, dass ihr Urteil aufgehoben wird. Jetzt sollen aber alle Verurteilungen pauschal gelöscht werden, sofern es sich heute nicht mehr um ein Verbrechen handeln würde.

Sie wären heute völlig unschuldig

Das trifft auch diejenigen Männer, die nach 1967 verurteilt wurden: Aufgrund von einem anderen Schutzalter für gleichgeschlechtlichen Sex wurden zwischen 1967 und 2003 etwa 30.000 Männer bestraft. Wäre ihr Partner eine Frau gewesen, hätten sie keine Straftat begangen.

Der Staatssekretär im Justizministerium, Sam Gyimah, sagte: "Es ist sehr wichtig, dass wir Menschen rehabilitieren, die für historische Sexualverbrechen verurteilt wurden, aber heute völlig unschuldig wären."

Alan Turing half, die Deutschen zu besiegen

Von den Betroffenen leben heute noch etwa 15.000 Männer. Eine finanzielle Entschädigung, wie sie in Deutschland geplant ist (dbna berichtete), sieht das Ministerium jedoch nicht vor.

Inoffiziell wird das Gesetz als "Alan Turing Law" bezeichnet, benannt nach dem Mathematiker und Informatiker Alan Turing. Er hat im Zweiten Weltkrieg deutsche Funksprüche entschlüsselt, was den Krieg verkürzt hat.

Kriegsheld wurde wegen Homosexualität verurteilt

Nach dem Krieg wurde er 1952 wegen seiner Homosexualität bestraft. Er musste sich einer chemischen Kastrierung unterziehen und beging zwei Jahre später Selbstmord. Im Dezember 2013 wurde er offiziell von Königin Elizabeth II. rehabilitiert.

Rachel Barnes, die Großnichte von Turing, freut sich über das neue Gesetz. Gegenüber "Independent" sagte sie: "Das ist ein bedeutsamer Tag für alle, die nach den damaligen Gesetzen verurteilt wurden, und für ihre Familien. Das Sittlichkeitsgesetz zerstörte das Leben von Menschen. Es ist eine großartige Nachricht für alle, die so lange für ein solches Gesetz gekämpft haben." 

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