Guido Westerwelle: Was wir von ihm lernen können

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Guido Westerwelle: Was wir von ihm lernen können
Wikimedia/Christliches Medienmagazin pro

Der ehemalige Außenminister ist tot. Seine Person und seine Politik haben immer polarisiert. Er ist durch schräge Ideen und kluge Schachzüge aufgefallen, zuletzt stand der Kampf gegen die Leukämie im Vordergrund. Den Kampf hat Guido Westerwelle verloren.

Wieder so ein Moment, in dem die Facebook-Timeline nur eine Meldung kennt: Die von Guido Westerwelles Tod. Eilmeldung. Ziemlich überraschend. Ein Schock für viele. Es dauert nicht lange, bis die ersten Nachrufe online gehen. Die lagen wohl in der Schublade, seit Guido Westerwelle am 17. Juni 2014 seine Blutkrebs-Diagnose erhalten hat. Das ist gängige Praxis in der Medienbranche.

So langsam trudeln die ersten Beileidsbekundungen ein, von Vertretern aller politischer Parteien. Auch das ist üblich. Menschen, die den ehemaligen FDP-Vorsitzenden und Außenminister persönlich kannten, mit ihm befreundet waren oder zusammengearbeitet haben, äußern sich zu dessen überraschenden Tod.

Ein Politik-Vorreiter

Doch was bedeutet sein Tod für diejenigen, die ihn nicht persönlich erlebt haben? Die seine Zeit als ersten offen schwulen Außenminister (2009 2013) nur am Rande mitbekommen haben, sei es aus Desinteresse oder weil man einfach zu jung war, um zu verstehen, was für eine unfassbar große Bedeutung das hat, wenn ein schwuler Mann Außenminister wird.

Wikimedia/Tafkas
Guido Westerwelle (r.) mit seinem Lebenspartner Michael Mronz 2009 bei den Bayreuther Festspielen.

Guido Westerwelle (r.) mit seinem Lebenspartner Michael Mronz 2009 bei den Bayreuther Festspielen.

Wir können viel von Guido Westerwelle lernen, ob wir seinen politischen Entscheidungen zustimmen oder nicht. Als Politiker hat er früher als alle anderen erkannt, wie wichtig mediale Aufmerksamkeit war. Vor allen anderen war er Gast bei Stefan Raab oder Harald Schmidt. Dass dazu auch schräge Ideen wie das "Guidomobil" gehörten, ist verzeihbar, denn neue Ideen bergen nun mal ein gewisses Risiko.

Erfahrungen mit offener und weniger offener Homophobie

Guido Westerwelle war der erste offen schwule Außenminister. Wer meint, das sei im 21. Jahrhundert doch kein Problem mehr, der täuscht sich. Seine erste Zeit als Minister war im Nachhinein betrachtet ein Fehlstart. Auf die Frage, ob er denkt, dass das an einer latenten bis offenen Homophobie liegt, sagte er: "Das habe ich nicht gedacht. Das ist der Fall gewesen."

Noch in der Wahlnacht hat ein SPD-Bürgermeister den Agenturen gesagt, er wolle nicht von einem Schwulen im Ausland vertreten werden. Dann das traditionelle Neujahrskonzert im Auswärtigen Amt. Als da plötzlich "Außenminister Dr. Guido Westerwelle und Michael Mronz bitten. . ." auf der Einladung stand, da haben ihn tatsächlich viele beiseitegezogen: Ich stehe ja total hinter euch. Aber das mit der Karte hätte ja vielleicht nicht sein müssen, wie sich die Journalistin Evelyn Roll in ihrem Nachruf in der Süddeutschen Zeitung erinnert.

Bei der Musterung: "Die Gesichter werde ich nie vergessen"

Wenn ein Leben als schwuler Politiker 2009 schon schwer war, wie war es dann, in den 70er Jahren als junger Schwuler zu leben? "Das ist eine schwere Zeit gewesen für junge Männer, die plötzlich merkten, dass sie nicht mit Mädchen, sondern mit Jungs zusammen sein möchten. Das sind Zerwürfnisse, die einen für das ganze Leben prägen", erzählte er in einem Spiegel-Interview 2015.

Westerwelle Foundation
"Wir haben gekämpft. Wir hatten das Ziel vor Augen. Wir sind dankbar für eine unglaublich tolle gemeinsame Zeit. Die Liebe bleibt."

"Wir haben gekämpft. Wir hatten das Ziel vor Augen. Wir sind dankbar für eine unglaublich tolle gemeinsame Zeit. Die Liebe bleibt."

Noch vor der Pubertät habe er gemerkt, dass er eben lieber mit Jungs zusammen sein möchte. "Ich wurde dann ja mit 17 zur Musterung geladen. Ich habe diesem Musterungskomitee gesagt: Ich wollte Ihnen nur sagen, meine Herren, dass ich nicht gerne zur Bundeswehr möchte, weil ich homosexuell bin. Die Gesichter werde ich nie vergessen. Ich wurde ausgemustert. Das war der Vorteil der frechen Schnauze."

"Die Liebe bleibt"

Letztes Jahr hat Guido Westerwelle sein Buch "Zwischen zwei Leben" herausgebracht, ein Buch über seine Erkrankung, aber auch eine Liebeserklärung an seinen Partner Michael Mronz. Auf die Frage von Spiegel, ob das Buch auch eine Streitschrift gegen Klischees sei, antwortete er: "Es ist meine Absicht, und das ist auch die Lehre dieser Zeit. Man sagt gleichgeschlechtlichen Ehen eine gewisse Oberflächlichkeit nach, weil schon das Wort homosexuell die Sexualität betont. Aber das ist nicht so, bei Michael und mir schon gar nicht. Ich wusste das vorher, aber jetzt noch tausendmal mehr: Wir führen keine Ehe zweiter Klasse."

Am 18. März ist Guido Westerwelle im Alter von 54 Jahren gestorben. Auf der Homepage seiner Stiftung heißt es: "Wir haben gekämpft. Wir hatten das Ziel vor Augen. Wir sind dankbar für eine unglaublich tolle gemeinsame Zeit. Die Liebe bleibt."

Kommentare
Kommentare werden geladen
dbna.newsletter
Bleibe immer up-to-date.
Abonniere unseren wöchentlichen Newsletter!
Weitere Quellen: Westerwelle Foundation, Wikimedia/Christliches Medienmagazin pro/Tafkas