Happy Birthday!

Redaktion Von Redaktion

Geburtstage sind für viele Menschen ein sehr wichtiger Tag in ihremLeben. Davon kann ich mich auch nicht ausnehmen. Heute ist der Tag vormeinem Geburtstag. Bald bin ich 25 Jahre alt. Zeitfür eine Retrospektive.

Geburtstage sind für viele Menschen ein sehr wichtiger Tag in ihremLeben. Davon kann ich mich auch nicht ausnehmen. Heute ist der Tag vormeinem Geburtstag. Ich werde in wenigen Stunden 25 Jahre alt sein. Zeitfür eine Retrospektive.

Die frühen Jahre

Es sind schon sehr interessante 25 Jahre, die hinter mir liegen. Dieersten Jahre sind nur noch eine blasse Erinnerung, wenn überhaupt. Aberschon früh zeigten sich Dinge, die bis heute für mich prägend sind. Daist das ganze emotionale Zeug, was mich doch sehr prägt. So habe ichmonatelang getrauert, als meine beste Kindergartenfreundin aus unseremKaff wegzog, um mit ihren Eltern in Frankfurt zu leben. Auch wasSexualität angeht, habe ich deutlich ein paar Dinge vor Augen, diebereits damals ganz klar schon zu sehen waren. Ich erinnere mich nur andie Anekdote, als wir in der vierten Klasse das erste Mal aufgeklärtwurden. Naiv wie man als neun Jahre altes Kind ist, verstand ich nicht,warum die Mädchen Tampons geschenkt bekamen um schon mal zu üben,während die Jungs zwar über die Benutzung von Kondomen aufgeklärtwurden, aber dies nicht testen sollten. Tja, ich ahnte ja nicht, dassman dafür anatomisch andere Vorraussetzungen braucht, als man sie indem Alter hat.

Die Pubertät

Als Teenager änderte sich zumindest an ein paar Grundsätzen nichts:Emotionen trieben mich weiter. Und Sex war auch kein Tabuthema. Aberüber meine Sexualität habe ich trotzdem nicht gesprochen. Wer willschon als elfjähriger zugeben, dass er seinen ersten erotischen Traumhatte und zwar von einem Mann? Tja, und dann war da ja noch mehr: Dieerste "Freundin", die keine war. Händchenhalten, Küsschen, Küsschen aber was "zusammen sein" bedeutet, wussten wir damals wohl alle nicht.Hat auch nicht länger als das eine Wochenende gehalten. Never mind,einfach nicht drüber nachdenken. Heute kann ich drüber lächeln (und einwenig schaudert es mich auch). Wie viele Jungs in meinem Alter machteich irgendwann auch die ersten gleichgeschlechtlichen Erfahrungen.Gemeinsames wichsen, dann auch mal jemand, der sich vorbeugt und seineZunge spielen lässt wow! Doch während die meisten Jungs das wirklichnur aus Neugierde und Gruppendynamik gemacht haben, erhärtete sich meinVerdacht, anders zu sein. Ach, nicht zu vergessen, dass ich den Ruflängst weghatte, schwul zu sein. Kein Wunder: Ohne es selbst zu wissen,hatte ich schon damals Eigenschaften, die man "dem typischen Schwulen"zuschreibt. Das wusste ich nur nicht.

Reifeprozesse

In der Schule outen? Keine Chance. Und in der Familie? Bitte, das sinderzkonservative Christen! Nun, vielleicht mal nach der Schule, in derZivi-Zeit? Nein, natürlich nicht. Wenn die anderen Zivis sichgegenseitig Gina-Wild-Filme gebrannt haben, wie sollte ich da sagen,dass mir das nicht gefällt! Und die Gemeinde, in der Homosexualitätnicht nur als Sünde, sondern gleich als Auflehnung gegen Gott (also alseine bewusste Entscheidung!!!) betrachtet wurde, war das auch nunwirklich nicht nötig. Der emotionale Druck wurde natürlich immer höher.Verknallt in einen Arbeitskollegen, fing ich an, Gedichte zu schreiben.So konnte ich den Emotionen einen Weg bahnen, ohne über sie direktreden zu müssen. Bis ich schließlich in die Uni kam. Dort gab es nichtnur viele andere Schwule, sondern sie standen auch dazu! Ich staunte.Sowas gab es? Ich kannte das ja mittlerweile aus dem Internet, aber ausmeinem Umfeld? Sollte es wirklich so viele geben, die die gleicheGesinnung haben? Nun, als ich versehentlich an einem Abend gleich vor75 Kommilitonen bei einer Exkursion geoutet wurde, gab es jedenfallskeine Probleme. Und mein Leben machte eine Kehrtwende, die ich nichtfür möglich gehalten hätte. Ich bekam tatsächlich endlich ein Gefühlvon Zufriedenheit und Glück!

Neue Welten, neues Leben

Es gab vieles zu entdecken, und was sich da alles auftat warerstaunlich: Die schwule Szene und die Möglichkeit, zu einem anderenMann eine echte Beziehung aufzubauen, richtigen Sex zu haben und sichnicht dafür schämen zu müssen aber auch viel Banaleres ergab sich.Wenn man nicht mehr spielt, jemand anderes zu sein, wird man nicht nurselbstsicherer, sondern man wird auch viel besser von seinem Umfeldangenommen. Der Prozess, der in der Schulzeit eingesetzt hatte, dasinnere Coming Out, wurde zu dem Mechanismus, der das äußere Coming Outso richtig in Fahrt brachte. Als selbst meine Mutter verstand, dass ichnicht in die Gemeinde wollte, sondern lieber mein Leben leben wollte,da wollte ich nicht mehr zurück. Und obwohl sich doch manches veränderthat und alte Freunde aus meinem Leben verschwinden um neuen Platz zumachen, hätte es anders niemals besser sein können. Wer schwul ist,kann nicht glücklich leben, wenn er nicht dazu steht. Man kann sichselbst nicht auf Dauer verleugnen.

Ein Blick in die Zukunft

Zumindest die letzten fünfzehn Jahre habe ich sehr bewusst mitgemacht.Wie mögen die nächsten fünfzehn Jahre werden? Dann werde ich vierzig.Das ist ein geradezu biblisches Alter, wenn man sich den angeblichenJugendwahn in der Szene anschaut. Aber wer weiß? Ist man nicht nur soalt wie man sich fühlt? Welche Perspektiven tun sich denn auf?Erfolgreich im Beruf? Vielleicht ein Ehemann? Ich weiß es nicht. Ichhabe nur vage Vorstellungen von dieser Zeit. Aber zumindest setze ichmich auch damit auseinander. Aber viel wichtiger ist jetzt erstmal, wasmorgen passiert. Denn ich freue mich auf meine Gäste und auf die gutenGespräche, die lustigen und nachdenklichen Momente. Weil man mancheDinge eben nur einmal erleben kann.

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