"Hass-Landkarte"

Redaktion Von Redaktion
"Hass-Landkarte"
humboldt.edu

Eine Gruppe junger Geografen und IT-Experten hat sich der weniger schönen Seite von Twitter gewidmet und ein Tool entwickelt, das Tweets mit homophobe Inhalten in den USA geografisch verortet.

Unter dem Namen "Geography of Hate" lassen sich diffamierende Kurznachrichten nach homophoben und rassistische Inhalten, aber auch nach Beleidigungen von Behinderten filtern und geografisch einordnen.

"Das Projekt ist ein gelungenes Beispiel für die Nutzung von Big Data und die damit verbundene Auswertung und Visualisierung großer Datenmengen", sagt Jörg Eisfeld-Reschke vom Institut für Kommunikation in sozialen Medien im Gespräch mit der Nachrichtenagentur pressetext. Der Experte geht davon aus, dass in Zukunft immer öfter Projekte dieser Art realisiert werden, da einersteits immer mehr Daten zur Verfügung stehen und andererseits die Instrumente zur Visualisierung immer ausgereifter werden.

150.000 Tweets manuell geprüft

Die Gruppe nennt sich "Floating Sheep" und hat schon während des Präsidentschaftswahlkampfes mit einem Projekt für Aufmerksamkeit gesorgt. Dabei wurden rassistische Tweets gegen Obama aufgespürt. Die aktuelle "Hass-Landkarte" hat alle beleidigenden Tweets in den USA zwischen Juni 2012 und April 2013 eingefangen.

Dazu zählen unter anderem Kurznachrichten mit den Worten "Homo", "Nigger", "Dyke" (Lesbe), "Wetback" (mexikanischer Migrant) und vielen mehr. Studenten der Humboldt State University haben die dementsprechenden Tweets manuell kontrolliert, um aus dem Kontext heraus zu beurteilen, ob der jeweilige Ausdruck auch wirklich als Beleidigung angewandt wurde. Eisfeld-Reschke räumt diesem methodischen Aspekt gegenüber pressetext eine große Bedeutung ein, da man sich dadurch nicht nur auf die automatisierte Auswertung von Algorithmen verlasse.

Soziografische Eigenheiten erkennbar

Die Landkarte beinhaltet insgesamt 150.000 sogenannte "geotagged tweets". Diese hat die Gruppe in Beziehung gesetzt zu dem Gesamtbestand an abgeschickten Kurznachrichten. Dadurch ergeben sich farbliche Abstufungen und gewissermaßen Epizentren, die durch die Häufigkeit der dortigen kompromittierenden Microblogging-Aktivitäten ins Auge stechen. Die größte absolute Zahl hat Floating Sheep im kalifornischen Orange County ausgemacht. Doch aufgrund der dort sehr großen Bevölkerungsdichte fallen diese in der Relation kaum ins Gewicht.

Die Landkarte gibt einige interessante Aufschlüsse. Beispielsweise sind homophobe Kraftausdrücke insbesondere an der Westküste eine Seltenheit. Nicht zuletzt wird San Francisco immer wieder als Schwulen-Hochburg bezeichnet. Wetback - also die abfällige Bezeichnung für einen mexikanischen Einwanderer - kommt fast ausschließlich in Texas vor. Auffallend ist auch, dass generell rund um den "Bible Belt" und im mittleren Osten besonders oft Tweets mit beleidigendem Inhalt auftauchen.

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Weitere Quellen: pte, humboldt.edu