"Hexenjagd"

Redaktion Von Redaktion

Die Deutsche AIDS-Hilfe kritisiert die Verhaftung Nadja Benaissas, die laut Staatsanwaltschaft, einen Mann mit HIV angesteckt haben soll.

(dbna.de) Die Deutsche AIDS-Hilfe e.V. fordert die schnellst mögliche Freilassung von Nadja Benaissa. Nach Einschätzung des Vereins auf Grundlage der vorhandenen Informationen sei die Verhaftung eine unverhältnismäßige Aktion der hessischen Justiz. Zudem wirft man den Medien eine unsachliche und vorverurteilende Berichterstattung vor. Der Sexualpartner trage genauso die Mitverantwortung. Marianne Rademacher, Frauenreferentin der Deutschen AIDS-Hilfe, greift dabei die Verantwortlichen der Verhaftung scharf an: "Die hessische Justiz will offenbar ein Exempel statuieren. Die Justiz ist und darf aber keine Akteurin der HIV-Prävention in Deutschland sein."

Die Zunahme der Verurteilungen im Zusammenhang mit HIV-Übertragungen in den letzten beiden Dekaden sei nicht ohne Auswirkungen auf die Präventionsarbeit im HIV/Aids-Bereich geblieben. Doch es sei eine Illusion, daß der Staat das Problem mit Bestrafung unter Kontrolle habe, was zu einer Vernachlässigung des Schutzverhaltens führen solle. Es sei keine abschreckende Wirkung gegeben. Angst vor Repressionen wirke sich dagegen negativ aus, da die Menschen es dann vorzögen, sich nicht testen zu lassen.

Am Samstagabend war Nadja Benaissa, Sängerin der deutschen Pop-Band No Angels, in Frankfurt festgenommen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, einen Mann mit HIV infiziert zu haben, indem sie ungeschützten Geschlechtsverkehr mit ihm hatte und ihn nicht auf ihre HIV-Infektion hingewiesen hat (dbna berichtete).

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Weitere Quellen: Deutsche AIDS-Hilfe e.V., Arne List/Creative Commons