Hexenjagd im Kongresswahlkampf

Redaktion Von Redaktion

Kaum geht Amerika in die heiße Phase des Wahlkampfes für die Kongresswahlen, erschüttert ein Skandal das Land, der viele Beobachter erschüttert: seine Auswirkungen bringen Amerikas Homosexuelle in arge Bedrängnis.

Die amerikanische Politik ist in der heißen Wahlkampf-Phase angekommen, denn die Kongresswahlen sind nur noch wenige Wochen hin - und es geht um viel, um nichts anderes als die Macht in der amerikanischen Legislative. Und ausgerechnet jetzt erschüttert ein Aufsehen erregender Skandal das prüde Amerika und stürzt die Umfragewerte der Republikaner in den Keller. Doch nicht etwa um den Irakkrieg oder neue Gräueltaten von GIs ist die Rede das Problem der Republikaner kommt aus ihren eigenen Reihen und trägt den Namen Foley. Dieser ehemalige Abgeordnete verschickte  E-Mails mit erotischem Inhalt an junge Laufburschen und andere Bedienstete des US-Kongresses, die auf dubiosen Wegen an die Presse gelangten. Auch Foleys schneller Rücktritt konnte nichts mehr retten: Plötzlich und mitten im Wahlkampf stand die Partei der alten Werte und des Anstands als eine Gruppe von Heuchlern da einer der ihren hatte schwulen Sex mit Minderjährigen. Die Katastrophe war perfekt.

Die Panik vor einer Wahlkatastrophe ist groß. Und so haben die Republikaner in schwulen Politikern schnell einen passenden Sündenbock gefunden. "Foley tat, was Schwule nun mal tun", heißt es aus konservativen Kreisen. Dass der Sachverhalt aber schon jahrelang hochrangigen Konservativen bekannt gewesen ist, wird indes heruntergespielt. Schon ist eine "Rosa Liste" im Umlauf, auf der mehrere Politiker stehen sollen, die Foley gedeckt haben sollen. All diese Personen sind angeblich homosexuell und ungeoutet. Noch. Es wird das absurde Bild einer geheimen schwulen Mafia im US-Kongress gemalt, die Sextreffen mit Minderjährigen organisieren, weil ihre homosexuellen Neigungen sie dazu treiben.

Die ganze Angelegenheit artet dabei immer mehr zu einer reinen Hexenjagd aus. Selbst in renommierten Medienanstalten wie CNN werden Schwule zwangsgeoutet und als Kinderschänder dargestellt. Menschenrechtler und Schwulenverbände stehen diesem Geschehen nur noch perplex und hilflos gegenüber. Dass Foley ebenso gut heterosexuell und Neigungen für minderjährige Mädchen hätte haben können, wird zwar immer wieder betont, aber der skandallüsternen Öffentlichkeit ist dies natürlich mehr oder weniger gleichgültig.

Wie die Sache letztendlich ausgehen wird, bleibt abzuwarten, aber dass der Skandal das  verzerrte Bild von Homosexuellen in der amerikanischen Öffentlichkeit noch weiter verschärft, ist mehr als wahrscheinlich. Wichtige Entscheidungen, wie etwa über das konstitutionelle Verbot der Homo-Ehe stehen noch aus. Diese Entscheidungen werden sicher von all dem Aufsehen nicht unberührt bleiben.

Dass die Republikaner, die als Gegner der Schwulen in Amerika bekannt sind, nun wohl wahrscheinlich eine Wahlniederlage einstecken werden, ist da wohl nur ein schwacher Trost.     

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Weitere Quellen: Bilder: photocase.com