Hingesetzt

Redaktion Von Redaktion

Letztens noch Blättermatsch, jetzt schon schneeüberzogenerBlättermatsch. Und das, obwohl Christoph doch noch gar keineWinterreifen montiert hat. Hast du schonmal ein Seminar in der Uni aufdem Fußboden gehabt? Christoph erzählt, wie's ist...

Lieber Matthias,

 Du schreibst in deinem letzten Brief über die Wetterlage. Eben diesehat sich seither jedoch schon wieder gewandelt. Braune Blätter, kahleSträucher, ja, die gibt es immer noch. Doch sind sie jetzt mit einemdünnen Schneefilm bedeckt. Na wunderbar. Ich habe noch nicht einmalmeine Winterreifen aufgezogen. Wird wohl höchste Zeit. Meinuniversitärer Stundenplan ist dieses Semester äußerst mager. Irgendwiekotzt mich dieser ganze Uni-Kram an. Vorlesung, Seminar, Klausur,Referat, Hausarbeit. Überfüllte Räume, unmotivierte Dozenten. Letztenshaben wir sogar ein Seminar auf dem Fußboden im Flur sitzendabgehalten, weil die etwa 100 Studentinnen und Studenten nicht in denfür 40 Personen ausgelegten Raum passten.

Und das Mensaessen ist auch so ein Thema für sich. Ich weigere mich,solche Sachen wie Fisch oder Hirsch zu essen, die großküchenmäßig undmöglichst kostengünstig fabriziert werden. Das kann doch nichtschmecken. Da weiche ich lieber auf einen gemischten Salatteller aus.Nudelsalat, Kartoffelsalat, ein paar frische Champignons, etwas Kressedarüber - fertig. Gesund, günstig, nahrhaft und schmackhaft. Genuggemeckert. Die Uni hat auch ihre guten Seiten. Aber was rede ich, dusteckst ja auch mitten im Studentenleben. Vielleicht hätte ich dochbesser eine Ausbildung machen sollen. Aber es erschien damals sounheimlich logisch, mit dem Abitur auch ein Studium anzufangen.

 Schleimige Klauen. Ja, doch, die spüre ich nur allzu deutlich.Angefangen hat es mit einem Kratzen im Hals. Ich krame also die viel zuleckeren Halstabletten heraus, lutsche sie, erfreue mich an ihremzitronig-frischen Geschmack. Aber helfen wollen sie nicht so recht. Amnächsten Morgen läuft dann die Nase. Und jetzt sitze ich hier, die Nasesitzt zu, zwischendurch huste ich das eine um's andere Mal, dasNasenspray steht griffbereit. Ich ersticke beinahe in einem HaufenPapiertaschentücher. Ob ich mich doch mal gegen Grippe impfen lassensoll...?

Erzähl' mir nichts über die bayrische Sprache. Es war eine ganz schöneUmgewöhnung, die Leute mit einem freundlichen "Grüß Gott" zu begrüßen.Was zur Hölle ist, bitte, eine Rennsemmel? Und auch heute, nach überzwei Jahren im süddeutschen Exil, kommt mir noch manchmal ein Wortunter die Räder, bei dem ich nach der genauen Bedeutung fragen muss. ImGegenzug rutscht auch mir noch hier und da ein Ausdruck heraus, derwohl nur in den Gefilden, in denen ich aufgewachsen bin, bekannt zusein scheint. Interkulturelles Lernen.

Ich glaube, mein Erkältungstee dürfte jetzt fertig sein. Bevor ich hiernoch den ganzen Bildschirm vollpruste mit meinen Niesattacken, werdeich mich mal in mein Bettchen legen, sehen, was das Fernsehprogrammhergibt und mich auf morgen freuen. Morgen heißt es früh aufstehen.Gott, steh mir bei.

Lass mich noch schnell meinen Namen in den Schnee pinkeln:

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