HIV 2.0

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
HIV 2.0
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31. Mai 1982: Als erstes deutsches Medium berichtet an diesem Tag der "Spiegel" über Aids. Der Titel des Artikels "Schreck von drüben" bezieht sich auf die USA, denn dort häuften sich Anfang der 80er-Jahre die Fälle der neuen und noch unbekannten Krankheit.

Sätze wie "vier von zehn Betroffenen sterben" oder die "Diagnose ist fast wie ein Todesurteil" finden sich im Artikel (Hier der Original SPIEGEL Artikel vom 31.05.1982).

Homosexuelle als Hauptgruppe der Krankheit

Genauso steht darin, dass vor allem Homosexuelle an der Krankheit leiden. Nur selten seien Frauen oder heterosexuelle Männer betroffen diese seien "auffälligerweise meist Heroinsüchtige". Schon der erste deutschen Medienbericht über die Krankheit, die damals noch keinen Namen hatte, begann also, ein Bild von HIV/Aids zu prägen, das viel zu lange die Köpfe beherrschen sollte: Eine todbringende Seuche, von der Schwule, Drogenabhängige und Prostituierte betroffen sind.

Mit solchen Medienberichten wurde die Bevölkerung zutiefst beunruhigt, zumal die Infektionswege unklar waren. Gut ein Jahr nach dem ersten Bericht im "Spiegel" titelte das Magazin "Tödliche Seuche AIDS". Solche Berichte und Begriffe wie "Homosexuellen-Seuche" oder gar "Schwulen-Pest" schürten die Angst, vor allem aber auch die Vorurteile und die Stigmatisierung.

Enormer Wandel in der Medizin

Seitdem ist medizinisch viel passiert. In der Mitte der 90-er Jahre kamen erste dauerhaft wirkungsvolle Therapien auf den Markt. Seit einigen Jahren ist sogar bekannt, dass HIV-Positive ihren Sexualpartner so gut wie nicht anstecken können, wenn sie eine gut wirksame Therapie haben und ihre Viruslast unter der Nachweisgrenze liegt. "Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass HIV-Positive eine annähernd normale Lebenserwartung haben, sofern die Krankheit rechtzeitig entdeckt und behandelt wird", erklärt Holger Wicht von der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH).

Diesem enormen medizinischen Wandel hat sich die Einstellung der Gesellschaft offenbar noch nicht angeglichen. Diskriminierung und Stigmatisierung von HIV/Aids-Patienten sind oftmals alltäglich. "Die schlimmen Bilder von Aids haben sich in die Köpfe der Leute eingebrannt", sagt Wicht mit Blick auf das, was die Medien gezeigt haben: erst eine unbekannte, todbringende Krankheit, später leidende Kinder in Afrika und immer wieder auch schwer Kranke in Deutschland

Angst ist stärker als Wissen

Mit diesen Bildern ist immer auch eine gewisse Angst verbunden. Da es sich um eine Infektionskrankheit handelt, bleibt die Gefahr sich anzustecken. "Die Angst vor HIV/Aids ist oft irrational und vor allem im Alltag unbegründet, aber sie ist oft stärker als das realistische Bild der Krankheit", erklärt Wicht. Wer Angst hat, der neigt dazu, sich nicht mehr auf sein Wissen zu verlassen und zu übertreiben.

Deshalb sei es so wichtig, ein aktuelles und realistisches Bild der Krankheit zu zeigen, sagt er weiter. Nur so kann die ganze Gesellschaft mitbekommen und realisieren, wie das Leben mit HIV/Aids heutzutage wirklich ist. "Vielen ist nicht bewusst, dass ein HIV-Positiver auf natürlichem Wege Kinder zeugen kann und seinen Partner auch ohne Kondom so gut wie nicht anstecken kann."

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Weitere Quellen: Wikipedia