HIV-Positive verschaffen sich Gehör

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
HIV-Positive verschaffen sich Gehör
© burak çakmak - Fotolia.com

Das Projekt "positive stimmen" befragte HIV-Positive zu Stigmatisierung und Diskriminierung.

Im Jahr 2005 beschlossen die vier international tätigen Organisationen UNAIDS (Gemeinsames Programm der Vereinten Nationen zu HIV/AIDS), GNP+ (Globales Netzwerk von Menschen mit HIV), ICW (Globales Netzwerk für Frauen mit HIV) und IPPF (Internationaler Verband für Familienplanung), sich mit dem Thema der HIV-bezogenen Diskriminierung und Stigmatisierung zu beschäftigen.

In diesem Rahmen ist der "PLHIV Stigma Index" (etwa: "Stigma-Index von Menschen mit HIV") ins Leben gerufen worden. Bisher ist er in über 45 Ländern durchgeführt worden seit 2011/2012 auch in Deutschland unter dem Namen "positive Stimmen". Das Projekt soll zeigen, wie HIV-Positive Stigmatisierung und Diskriminierung erleben. Dafür werden Interviews geführt. Das Besondere: Die Befragenden und die Antwortenden sind beide HIV-positiv.

1148 Menschen mit HIV berichten über ihre Erlebnisse

Insgesamt wurden ab Oktober letzten Jahres 1148 Menschen mit HIV befragt. Davon waren 75 Prozent Männer und 24 Prozent Frauen. Ca ein Prozent ordnete sich selbst als transexuell ein. Schwul und lesbisch waren knapp zwei Drittel der Befragten. Aus folgenden fünf Kategorien stammten die Fragen: Gesundheitswesen, Arbeitsleben, Sexualität, Verinnerlichung von Stigmatisierung sowie Engagement im HIV/Aids-Bereich.

Hier ein paar Ergebnisse in Kürze.

  • Knapp 77 Prozent der Befragten haben im Jahr vor der Befragung Diskriminierung erlebt von Tratsch über Beleidigungen bis hin zu tätlichen Angriffen.

  • Rund 20 Prozent der Befragten wurde im Jahr vor der Befragung aufgrund von HIV eine medizinische Behandlung verweigert (zum Beispiel beim Zahnarzt).

  • 30 Prozent der Befragten haben sich von ihrer Familie zurückgezogen. Bei denen, die zuvor bereits Ausschlusserfahrungen in der Familie machen mussten, waren es sogar 66 Prozent.

  • Die gute Nachricht: 29 Prozent der Befragten gehen gegenüber ihrem Arbeitgeber offen mit ihrer Infektion um mehr als meist vermutet. Die große Mehrheit tut dies allerdings nicht, viele davon aus Angst vor Benachteiligung.

  • 74 Prozent der Arbeitgeber reagierten auf das Coming-out HIV-Positiver unterstützend oder neutral, 26 Prozent aber diskriminierend.

Forderungen und Empfehlungen

Ausgehend von den Ergebnissen der Befragung ergaben sich für jede Kategorie eine zentrale Forderung oder Empfehlung:
  • Diskriminierungsfreie Gesundheitsversorgung für Menschen mit HIV!

  • Aufklärung in Schulen und Betrieben: Menschen mit HIV können und dürfen jeden Beruf ausüben!

  • Selbstbestimmte Sexualität fördern, Strafbarkeit der HIV-Übertragung abschaffen!

  • Die Vielfalt des Lebens mit HIV heute zeigen!

  • Gemeinsam Diskriminierung und Stigmatisierung aufdecken, um sie abzubauen!
Alle Daten, Ergebnisse, Details und noch mehr Hintergründe von "positive stimmen" findest du hier: http://www.positive-stimmen.de/

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