Hoffnung ade!

Patrick Fina Von Patrick Fina

Homophobe Haltungen sind in Lettland weit verbreitet. Janis Smits kämpfte bei der Diskriminierung Homosexueller immer an vorderster Front. Jetzt ist er Lettlands Hüter der Menschenrechte.

Janis Smits hat es bei den lettischen Schwulen und Lesben zu trauriger Bekanntheit gebracht: egal, wann und wo gegen Homosexuelle gewettert wurde; der lutherische Pastor war immer an vorderster Front dabei. Jetzt wurde der Christdemokrat vom lettischen Parlament zum Vorsitzenden des Menschenrechtskomitees gewählt. Und wettert fleißig weiter.

Homosexualität werde die, die sie ausübten, das ewige Leben kosten, sagte Smits kürzlich in einem Interview mit der lettischen Zeitung "Neatkariga". Einziger Ausweg sei, dass Schwule ihre "Sünden bereuen" und zu einer "normalen Sexualität" zurückkehren sollten. Schrille Töne, die lettische Schwule und Lesben von Smits mittlerweile gewohnt sind.

Schon im Sommer sorgte er für Schlagzeilen: Als Riga die geplante Parade von Schwulen und Lesben aus "Sicherheitsgründen" absagte, putschte er die Stimmung auf und begrüßte den Entschluss der Regierung. "Sonst öffnen wir die Türen für Päderasten, Sodomiten und andere Perverse", sagte er und stellte die Entscheidung so dar, als geschehe sie zum Schutz der enttäuschten Lesben und Schwulen. Smits zählte außerdem zu den Wortführern, als Lettland in einem Verfassungszusatz die Ehe als "Verbindung zwischen Mann und Frau" definierte, wodurch die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften dauerhaft verhindert wrrd.   

Eben dieser Smits ist jetzt der Hüter der Menschenrechte in Lettland. Eine Tatsache, die nicht nur bei lettischen Basisgruppen auf pures Entsetzen stößt. Sogar der Europarat rief die lettischen Parlamentarier dazu auf, an den internationalen Ruf ihres Landes zu denken. Generalsekretär Terry Davis richtete eine offizielle Anfrage an die Volksvertretung, warum man einen "führenden Anti-Gay-Aktivisten" zum Chef des Menschenrechtskomitees gekürt habe.

Kritik, die an der lettischen Regierung abprallt. Homophobe Haltungen sind nichts außergewöhnliches, liberale Stimmen bleiben ungehört. Smits hat Rückendeckung, kann ungehindert weiterwettern und tut dies auch. Er werde dafür sorgen, dass "die Rechte aller" berücksichtigt würden, nicht nur die "spezieller Gruppen," sagte er. Homosexuelle dürften ihre Haltung nicht anderen "aufdrängen". Schließlich sei es die Aufgabe des Staates, die Familie zu schützen. Familie meint hier die heterosexuelle Kernfamilie.

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Weitere Quellen: Frankfurter Rundschau