Hoher Mitarbeiter: Coming-out im Vatikan

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Hoher Mitarbeiter: Coming-out im Vatikan
Youtube/Artykuł osiemnasty

Der 43-jährige hohe Mitarbeiter des Vatikans, Krzysztof Charamsa, hat sich als schwul geoutet. Der Pole ist unter anderem Theologie-Professor an einer päpstlichen Universität. Er stellt zehn Forderungen an den Vatikan zum Umgang mit Homosexualität.

Am Freitagabend hat sich Krzysztof Charamsa in mehreren Interviews als schwul geoutet. Der 43-Jährige ist ranghoher Mitarbeiter des Vatikans. Er ist stellvertretender Sekretär der Internationalen Theologischen Kommission, Theologie-Professor an der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom sowie Funktionär der Kongregation für die Glaubenslehre. 

Krzysztof Charamsa ist der bisher ranghöchste Vatikan-Mitarbeiter, der sich geoutet hat. Einer polnischen Zeitung sagte er: "Ich heiße Monsignore Krzysztof Charamsa. Ich bin ein Funktionär der Kongregation für die Glaubenslehre, zweiter Sekretär der Internationalen Theologischen Kommission, Theologe, Lehrer. Und ich bin schwul."

10 Forderungen statt 10 Gebote

Der 43-Jährige Theologie fordert, "dass die Kirche Homosexuelle ernst nimmt und uns auf Augenhöhe behandelt. Die Stigmatisierung muss ein Ende haben." Der polnischen Ausgabe von "Newsweek" sagte er außerdem, dass viele Priester in der Kirche schwul wären.

Charamsa hat einen Partner namens Eduard, der sein Coming-out unterstüzt. Zusammen mit seinem Bekenntnis zur Homosexualität veröffentlichte er zehn Forderungen an die Kirche zum Umgang mit Schwulen und Lesben:

1. Es muss Schluß sein mit Homophobie und LGBTI-Diskriminierung durch den Vatikan

2. Die Strafbarkeit von Homosexualität soll durch die Kirche offiziell verdammt werden

3. Die Kirche darf sich nicht mehr in demokratische, gesetzgeberische Prozesse von Staaten einmischen

4. Der Papst muss im Katechismus all die Stellen überarbeiten lassen, die zu Diskriminierung von Homosexuellen genutzt werden und dem grundsätzlichen Gebot des Mitgefühls mit ihnen entgegenstehen

5. Die Passagen, die dazu führen, dass offen schwule Männer nicht Priester werden dürfen, müssen sofort gestrichen werden

6. Ein interdiziplinärer Diskurs über die moralische Bewertung menschlicher Sexualität muss begonnen werden

7. Eine Revision der interpretatorischen Vorgaben für die Stellen in der Bibel, die sich mit Homosexualität beschäftigen

8. Die Eröffnung eines ökumenischen Dialogs mit den protestantischen und anglikanischen Kirchen über Homosexualität

9. Die Kirche muss um Vergebung für ihre Taten gegen Homosexuelle bitten

10. Die Kirche muss die Verschiedenheit menschlicher Sexualität und die Verschiedenheit der Gläubigen anerkennen und muss ihre Vorstellungen davon, wie Sexualität innerhalb eines christlichen Lebens zu beurteilen ist, aufgeben.

Wikimedia/Diliff
Der Petersplatz, das Zentrum des Vatikans. Wie der Papst auf das Coming-out reagiert, ist noch unbekannt.

Der Petersplatz, das Zentrum des Vatikans. Wie der Papst auf das Coming-out reagiert, ist noch unbekannt.

Am Sonntag beginnt die Familiensynode

Für Samstagmittag hat Charamsa eine Pressekonferenz im Vatikan angekündigt. Eine offizielle Stellungnahme der Kirche liegt bislang nicht vor. Der Theologe ist sich bewusst, welche Konsequenzen sein Coming-out wahrscheinlich haben wird. "Zu meinem großen Leid ist es wahrscheinlich, dass ich nicht mehr in einer katholischen Einrichtung unterrichten werden kann", sagte er der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera". Trotzdem geht er diesen Schritt. "Ich möchte, dass die Kirche und meine Gemeinschaft erfahren, wer ich bin: Ein schwuler Priester, mit einem Partner, glücklich und stolz auf die eigene Identität."

Besonders in Zusammenhang mit der Familiensynode, bei der über das Verhältnis der Kirche zu Partnerschaft und Sexualität diskutiert wird, ist das Coming-out von großer Bedeutung. Die Synode beginnt am Sonntag, womöglich überschattet von Charamsas Forderungen.

Vatikansprecher: Charamsa kann nicht weiter arbeiten

Der Vatikansprecher Federico Lombardi hat italienischen Medien gesagt, dass Krzysztof Charamsa Respekt verdiene. Dennoch werde er nicht weiter für den Vatikan arbeiten können. "Mit Sicherheit kann Monsignore Charamsa seine früheren Tätigkeiten bei der Glaubenskongregration und an den päpstlichen Universitäten nicht fortsetzen", sagte er. Außerdem halte er es für "unverantwortlich", mit dieser "sensationellen Erklärung am Vorabend der Eröffnung der Synode" die Versammlung der Bischöfe "ungerechtfertigtem Mediendruck" auszusetzen.


Hinweis: Zuletzt aktualisiert am 3.10.2015, 12:50 Uhr.

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