Hollywood gegen Georgia

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Hollywood gegen Georgia
Wikimeida/Marduk

Der US-Bundesstaat Georgia will unter anderem die Diskriminierung am Arbeitsplatz erlauben - aus religiösen Gründen. Jetzt regt sich Widerstand, unter anderem von Anne Hathaway, Julianne Moore und Disney.

Das Gesetz HB 757, der "Free Exercise Protection Act" soll die religiösen Gefühle und die Ausübung der Religion schützen. Doch es sieht auch vor, dass gemeinnützige Organisationen Schwule, Lesben und andere Minderheiten diskriminieren dürfen.

So könnten kirchliche Krankenhäuser sich weigern, Homosexuelle zu behandeln. Unter dem Vorwand der Glaubensfreiheit könnten LGBTIQ*-Menschen auch am Arbeitsplatz benachteiligt werden.

Disney und Time Warner wollen einen ganzen Staat boykottieren

Der Senat und das Repräsentantenhaus haben dem Entwurf bereits zugestimmt. Nun wartet er darauf, vom Gouverneur Nathan Deal unterschrieben zu werden. Bis zum 3. Mai hat der Republikaner noch Zeit, um das Gesetz anzunehmen oder abzulehnen.

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Die Entscheidung wird ihm alles andere als leicht fallen. Denn es regt sich massiver Widerstand gegen die homophobe Regelung. Die Filmproduktionsfirmen Time Warner und Disney haben ein Boykott angekündigt, sollte das Gesetz erlassen werden.

Einnahmen durch die Filmindustrie: Fast 2 Milliarden Dollar

Hollywood-Stars, darunter Anne Hathaway, Dustin Lance Black, Matt Bomer oder Julienne Moore haben in einem offenen Brief gedroht, in Georgia keinen Film mehr zu drehen.

Das würde dem Staat erheblich schaden, gilt er doch als "Hollywood des Südens": Laut der US-Bürgerrechtsorganisation Human Rights Campaign (HRC) wurden in Georgia letztes Jahr fast 250 Filme und Serien gedreht, die den Staat um 1,8 Milliarden Dollar reicher gemacht haben.

Gouveneur ist sich unsicher

Und nicht nur die Filmbranche versucht, Gouverneur Nathan Deal zu beeinflussen. Der Football-Dachverband NFL hat bereits gedroht, dass der Super Bowl nicht mehr in Georgia stattfinden würde, wenn das anti-schwule Gesetz durchkommt. Gerade wird das Mega-Event für 2019 und 2020 vergeben.

Wie aus einer Aussage des Gouverneurs herauszulesen ist, zögert er noch sehr, den Entwurf zu unterschreiben. Nathan Deal sagte: "In meinen religiösen Ansichten haben wir keinen Glauben, der sagt, wir sollen irgendjemanden diskriminieren. Ich glaube, das Neue Testament hat uns gelehrt, dass Jesus zu denen gegangen ist, die als Ausgestoßene gegolten haben."

Update: Der Gouverneur Nathan Deal hat das homophobe Gesetz nicht unterschrieben. Er habe sich nicht von den Drohungen beeinflussen lassen, behaupte er. Stattdessen begründete er sein Veto so: "Ich denke nicht, dass wir diskriminieren brauchen, um die Gemeinschaft der Gläubigen in Georgia zu schützen."

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Weitere Quellen: Marduk/Wikimedia