Homo-Ehe in Albanien

Redaktion Von Redaktion

In albanischen Hauptstadt Tirana plant der konservative Regierungschefdie Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen. Damit soll vor allem dieEU beeindruckt werden.

(dbna.de / diePresse.com) Der albanische Premierminister Sali Berisha ist eigentlich mehr als konservativer Politiker bekannt. Bisher setzte er sich für die Wiederbelebung traditioneller Familienwerte ein. Kehrtwenden in Berishas Politik kamen schon häufiger vor, aber die Ankündigung eines Gesetzes zu Legalisierung der Homo-Ehe verblüffte dieses Mal Freund und Feind. Nach der Sommerpause soll das Parlament dem Vorhanden Berishas zustimmen. "Dies ist ein wichtiges Gesetz im Kampf gegen die Diskriminierung", so der Regierungschef.

Protest der Konfessionen

In Albanien, das sich jahrzehntelang nach außen abschottete, waren homosexuelle Beziehungen bis 1995 unter Strafe gestanden. Heftige Reaktionen folgen auf die Initiative des Premiers, der damit das traditionell geprägte Albanien auf dem Balkan in eine Vorreiterrolle in Fragen der Gleichberechtigung bringen könnte. Die Vertreter der verschiedenen Konfession sind alles anderes als amüsiert. "Dies ist eine Schande, kein Gesetz", äußert sich Shkelqim Muca, Vorsitzender von Albaniens muslimischer Gemeinschaft, wutentbrannt. Die Ehe vereine zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechts und sei für gleichgeschlechtliche Verbindungen "nicht zu akzeptieren", unterstreicht Monsignore George Frendo von Albaniens katholischer Kirche entschieden.

In den anderen Balkanstaaten habe Schwule und Lesben Probleme. In Kroatien, das immerhin Anwärter auf eine EU-Mitgliedschaft ist, ergab vor Kurzem eine Umfrage unter  Homosexuellen, dass gut die Hälfte der Befragten Opfer verbaler und körperlicher Gewalt wurde. Zudem gaben 80 Prozent an, dass ein Coming Out in ihrer Umgebung nicht in Frage käme.

Kein Ausdruck albanischer Offenheit

Alleine albanische Bürgerrechtsgruppen begrüßen das Vorhaben Berishas als einen "wichtigen Schritt zur Emanzipation der albanischen Gesellschaft". Aber es gibt auch kritische Stimmen wie die des Publizisten Gjergj Erebara. Dieser sieht in der Vorlage des Premierministers keinen Ausdruck albanischer Offenheit, sondern betrachtet es vielmehr als "Symbol des nationalen Pragmatismus": "Selbst die Legalisierung der Homo-Ehe würde keineswegs das Ende der Stigmatisierung der Homosexualität in Albanien bedeuten."

Und wirklich drängt vor allem Brüssel die Staaten der Region zur Bekämpfung von Diskrimierung von Minderheiten Homosexuelle mit inbegriffen. Gerade der Regierungschef Albaniens hat Ambitionen in Hinsicht auf eine EU-Mitgliedschaft seines Landes und somit weniger das Wohl der kleinen albanischen Homoszene im Auge.

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Weitere Quellen: DiePresse.com, iStockPhoto.com / Gilmanshin