Homophobe Äußerungen provozieren Wutsturm

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Homophobe Äußerungen provozieren Wutsturm
Frank Bergmann/CC BY-SA 2.5/Wikimedia

Staatssekretärin Katherina Reiche hat sich gegen die dreizehn Unionsabgeordneten gestellt, die eine Gleichstellung von Ehe und gleichgeschlechtlicher Partnerschaften im Steuerrecht fordern. Dafür ist die Aufregung im Netz riesengroß.

Ein Wutsturm geht über die Katherina Reiche, Staatssekretärin im Bundesumweltministerium her, seit sie sich öffentlich in der BILD positioniert und eine "klare Kante in der Debatte um die Homo-Ehe" erkennen ließ. Im Zentrum der Empörung stehen Aussagen wie:

"Unsere Zukunft liegt in der Hand der Familien, nicht in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften. Neben der Euro-Krise ist die demografische Entwicklung die größte Bedrohung unseres Wohlstands"

"Die Union muss ganz klar sagen, dass sie auf Familie, Kinder, Ehe setzt. Die Gesellschaft wird nicht von kleinen Gruppen zusammengehalten, sondern von der stabilen Mitte."

Facebook-Gruppe, offener Brief und Petition gegen Reiche

Und kaum waren diese Worte in der Welt konnte man im Netz die wütenden Reaktionen vernehmen: "homophob", Hasspredigerin gegen Homosexuelle" oder auch "Unsinn" sind eine kleine Auswahl. Schließlich sah sich Reiche sogar gezwungen, ihre Facebook-Seite vorerst zu deaktivieren. Doch das sorgte nicht für Ruhe, eine eigene Gruppe gründete sich in Facebook unter einem Regenbogen: "Keine Zukunft mit Katherina Reiche", wozu inzwischen gut 8.000 Nutzern sagen: "Gefällt mir".

Reiche wird dort auch in einem offenen Brief der Widerspruch zwischen ihren Aussagen und ihrem eigenen Lebenswandel zu Last gelegt. Die Initiatoren üben deutliche Kritik: "Gerade von Ihnen hätten wir erwartet, dass Sie aufgrund Ihres eigenen unehelichen Kindes wissen, dass Familie im 21. Jahrhundert nicht automatisch Ehemann + Ehefrau + Kinder heißt. Ihre Aussagen sind ein Schlag ins Gesicht aller Familien, die nicht Ihrer tradierten Normen entsprechen." Sie schließen mit: "Frau Reiche, Sie sehen keine Zukunft für ein Deutschland, in dem Homosexuelle dieselben Rechte haben wie Heterosexuelle - wir sehen daher keine politische Zukunft für Sie in der deutschen Politik des 21. Jahrhunderts." Tausendfach wurde dieser offene Brief inzwischen geteilt.

Zugleich wurde eine Online-Petition gestartet. Über 2.000 Personen unterstützen die darin enthaltene Forderung nach dem Rücktritt von Reiche inzwischen.

Frank Bergmann/CC BY-SA 2.5/Wikimedia
Katherina Reiche ist seit 1998 Mitglied des Deutschen Bundestages.

Katherina Reiche ist seit 1998 Mitglied des Deutschen Bundestages.

Union eindeutig gespalten

Auch aus der CDU und ihren Untergliederungen ist deutliche Kritik zu vernehmen. Jens Spahn, MdB erklärte via Twitter: "Lasse mich und mein Leben nicht indirekt als Bedrohung unseres Wohlstandes diffamieren. Da geht die Kollegin zu weit." Die Potsdamer Junge Union immerhin die Jugendorganisation der CDU in Reiches Wahlkreis ließ vernehmen, sie sei "entsetzt über die Äußerungen". Und der Potsdamer JU-Kreisvorsitzende Tino Fischer, der offen schwul ist, erklärte: "Das humanistische Weltbild Frau Reiches scheint an ihrem Gartenzaun zu enden." Auch Martin Och, der Regionalverbandsvorsitzende Ost der Lesben und Schwulen in der Union, gab eine öffentliche Stellungnahme ab: "Frau Reiche ist mit ihren Ansichten auf weiter Linie alleine innerhalb der Partei."

Reiche steht letztlich stellvertretend für diejenigen Unionspolitiker, denen jede weitere Gleichstellung von eingetragenen Partnerschaften zu weit geht. Doch gleichzeitig gibt es eine Gegengruppierung, die das Ehegattensplitting nicht mehr auf heterosexuelle Ehegemeinschaften beschränken will (dbna berichtete). Dieses Anliegen von dreizehn Abgeordneten fand auch Unterstützung im Bundeskabinett, nämlich die von Familienministerin Kristina Schröder (CDU), die sich damit in eine Front mit der Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) einreiht.

Die Debatten um Reiche zeigen eines: Auch wenn Angela Merkel als Kanzlerin weiteren Maßnahmen zur Gleichstellung eine Abfuhr erteilt hat, beendet ist das Thema für viele innerhalb der Koalition noch lange nicht. Reiche hat dafür einen neuen Anstoß geliefert.

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Weitere Quellen: berliner-zeitung.de