Homophobie an Schulen

Redaktion Von Redaktion

Die Statistiken sind erschreckend. Die Jugendstudie "iconkids" fand im Jahr 2002 heraus, dass 71% aller männlichen und 51% aller weiblichen Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren eine grundlegend ablehnende Haltung gegenüber Homosexualität haben.

Er wurde beleidigt, beworfen, bespuckt. Im vergangenen Jahr wurde in den Medien der Fall des damals 16 Jahre alten Maik geschildert, der eine Berliner Schule besuchte, sich in einen Klassenkameraden verliebte und sich ihm gegenüber als schwul outete. Diese Neuigkeit machte rasch die Runde. Die Schule war machtlos und konnte den Diffamierungen durch die Jugendlichen nichts entgegen stellen. Maik hielt dem Druck irgendwann nicht mehr stand und wechselte die Schule. Hier würde er so schnell niemandem erzählen, dass er "anders" ist.

Hierbei handelt es sich nicht um einen Einzelfall. An vielen Schulen ist für offen schwule Schüler der Gang über den Schulhof ein Spießrutenlauf. "Schwuchtel" und "schwule Sau" sind mittlerweile in den Sprachgebrauch fast aller eingegangen. Oftmals bleiben Lehrer tatenlos angesichts solcher Beleidigungen. Was tun?

SchLAu NRW ist das Netzwerk von rund 15 lokalen Aufklärungsprojekten in ganz Nordrhein-Westfalen, die sich der les-bi-schwulen Aufklärungsarbeit für Jugendliche verschrieben haben. Was für eine Rolle spielt Homosexualität im Schulallatg? André Biermann, ehrenamtlicher Mitarbeiter bei SchLAu, hierzu: "Die Art und Weise, wie mit dem Thema Homosexualität an Schulen umgegangen wird, hängt beispielsweise von der Schulform ab." Homophobie gibt es in jeder Schulform, möglicherweise äußert sie sich an Haupt- und Förderschulen nur anders als an Gymnasien. "Darüber hinaus", so Biermann weiter, "hängt es natürlich auch von der geographischen Lage der Schule ab. Liegt sie in einem sozialen Brennpunkt, ist die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Homophobie deutlich höher."

Die Statistiken sind erschreckend. Die Jugendstudie "iconkids" fand im Jahr 2002 heraus, dass 71% aller männlichen und 51% aller weiblichen Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren eine grundlegend ablehnende Haltung gegenüber Homosexualität haben.

In einem Alter, in der jeder Mensch sich irgendwo verloren vorkommt, in der sich plötzlich alles um einen herum verändert, sind es die festen Größen, die Halt geben. Männer haben Sex mit Frauen, Frauen haben Sex mit Männern. Das ist normal. Alles, was von dieser Norm abweicht, bedeutet Verunsicherung und Gefahr. In der Pubertät ist die Schule einer der wichtigen Impulsgeber für das Leben. Hier ist man von morgens bis nachmittags mit Gleichaltrigen zusammen und wird für die Zukunft vorbereitet. Die Schule muss sich ihrer Verantwortlichkeit auch in Bezug auf Homophobie bewusst sein.

"Schulen können viel tun", erklärt Biermann. "Sie können das Thema Homosexualität zunächst einmal zum Thema machen!" So könne Vorurteilen und Ängsten Einhalt geboten werden. Wenn beispielsweise ein Schüler wegen seiner sexuellen Orientierung gemobbt werde, dann müsse darüber im Klassenverband gesprochen werden. Auf solche Situationen müssen angehende Lehrerinnen und Lehrer schon in der Berufsausbildung vorbereitet werden. Lehrer und Lehrerinnen müssen mit dem notwendigen Werkzeug ausgestattet werden, um brisante Situationen zu entschärfen, um Mobbing unter Klassenkameraden zu erkennen und zu verhindern.

Das Problem an Schulen ist kein neues. Aufklärung scheint der Schlüssel zu sein. Informieren, was es eigentlich bedeutet, lesbisch oder schwul zu sein. Das hat sich der NRW-weite Verband SchLAu zur Aufgabe gemacht, der nun bereits seit Jahren erfolgreich Schulaufklärung betreibt.

Was macht Schlau da eigentlich? Biermann: "SchLAu geht in die Schulen, um dort zunächst einmal offen für die Fragen der Jugendlichen zu sein. In der ersten Linie ist es das zentrale Ziel, den Jugendlichen einen homosexuellen Menschen "zum Anfassen" zu bieten." Viele Jugendliche haben noch nie einen Schwulen oder eine Lesbe gesehen. Durch Unwissen und gefährliches Halbwissen entstehen Vorurteile, die wenn sie erst einmal gefestigt sind schwer wieder zu revidieren sind. Überrascht reagieren die Schülerinnen und Schüler oftmals, wenn sich die Mitarbeiter von SchLAu vor die Klasse stellen. "Viele sagen gleich zu Beginn: Ihr seid doch nicht schwul/lesbisch, die sind doch ganz anders."

Homosexualität hat einen Platz in der Schule, weil Homosexuelle auch Platz in den Schulen haben. Leider jedoch wird das Themenfeld immer noch vermieden, wo es nur geht. Homosexuelle, Bisexuelle und Transgender müssen in Schulbüchern und im Unterricht Erwähnung finden. Und vielleicht finden es alle irgendwann mal normal, dass Kevin, der Junge aus dem Englischbuch, sich in seinen Klassenkameraden Dave verliebt.

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Weitere Quellen: Parität Berlin, SchLAu NRWBilder: photocase.com