Homophobie bekämpfen, nicht wegschicken!

Redaktion Von Redaktion

Nach brutalen Angriffen auf Schwule und Lesben will der Politiker Sascha Steuer homophobe Immigranten aus Deutschland wegschicken. Das sorgt nicht für weniger Schwulenfeindlichkeit, denn alle homophoben Menschen haben ein ernst zu nehmendes Problem.

Mitte Oktober wurde in Berlin einem 33-jährigen Schwulen der Kiefer zertrümmert, weil er einen Mann geküsst hatte. Kaum zwei Wochen später wurde in der Hauptstadt ein lesbisches Pärchen geschlagen und mit Farbe beschmiert. Daraufhin forderte der Berliner CDU-Politiker Sascha Steuer homophobe Einwanderer auf, Deutschland zu verlassen.

Denn zumindest die Angreifer, die den schwulen Mann krankenhausreif schlugen, sollen einen Migrationshintergrund haben. Im Berliner "Tagesspiegel" schrieb der geoutete CDU-Mann Steuer: "In meinem Freundeskreis wird bereits diskutiert, ob man in der Öffentlichkeit noch Händchen halten oder sich einen Abschiedskuss geben kann."

Das Problem ist die Homophobie

Sascha Steuer hat völlig recht. Schwule und Lesben haben nach diesen Angriffen Grund zur Sorge. Wenn Steuer aber zum Schutz von Homosexuellen die verbale Keule gegen Einwanderer schwingt, kann man sicher sein, dass er am eigentlichen Problem vorbei zielt.

Denn das sind nicht die homophoben Immigranten, sondern die Homophobie. Und die gibt es bei Deutschen auch. An vielen Orten in Deutschland müssen Schwule und Lesben sich sorgen, für Zärtlichkeiten Schläge zu kassieren. In Berlin, aber auch in der Sächsischen Schweiz oder in Greifswald, wo sich Steuers homophobe Immigranten selbst Sorgen machen müssen, nicht verprügelt zu werden von urdeutschen Neonazis.

Auf deutschen Schulhöfen ist "schwule Sau" ein beliebtes Schimpfwort. Immerhin jeder dritte Schüler aus Bremen gab in einer kürzlich vorgestellten Umfrage an, dass er Homosexualität unmoralisch finde. Noch immer setzen Eltern ihre schwulen Söhne vor die Tür. All diese Menschen sollten dann auch besser Deutschland verlassen, folgt man Sascha Steuers Logik. Vielleicht würden wir Homophobie in Deutschland auf diese Weise los. Dumm nur, dass unsere Nachbarn dann mit Scharen homophober Einwanderer zu kämpfen hätten.

Die Taten gehören bestraft, die Einstellungen bekämpft

Homophobie, der Angst vor Homosexuellen, ist mit verbalen Attacken und Strafandrohungen nicht beizukommen. Ohne Zweifel: Die homophoben Gewalttäter aus Berlin gehören bestraft. Wegen ihrer brutalen Taten, nicht wegen ihrer intoleranten Einstellung. Die kann man nicht bestrafen, aber bekämpfen. Der irrationalen Angst vor Schwulen und Lesben kann man am besten begegnen, indem man Vertrauen aufbaut. Vertrauen darauf, dass Homosexuelle keine perversen, unmoralischen Monster sind. Dieses Vertrauen sorgt schließlich dafür, dass unsere Freunde uns akzeptieren.

Dafür muss man über seinen Schatten springen. Das fällt vielen unserer Mitmenschen schwer konservativen Eltern ebenso wie diskriminierenden Mitschülern und vier von fünf türkischen Jungs. Helfen wir ihnen, indem wir über unseren Schatten springen und ihnen zugestehen, dass sie keine perversen, unmoralischen Monster sind und auch nicht das Land verlassen müssen.

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Weitere Quellen: istockphoto.com/livjam; istockphoto.com/Jon Schulte