Homophobie in Deutschland

Redaktion Von Redaktion

Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland hat gemeinsam mit dem Bundesfamilienministerium eine neue Studie zum Thema Homophobie in Auftrag gegeben. Befragt wurden dazu 922 Schüler zwischen 14 und 20 Jahren an Berliner Schulen. Erfreulicherweise zeigt die Studie viele überraschend positive Zahlen. Leider werden jedoch auch einige gängige Vermutungen bestätigt, so zum Beispiel das Jugendliche türkischer Abstammung weit schwulenfeindlicher sind als diejenigen aus deutschen Familien.

Beinahe vier von fünf junge Männer aus türkisch-stämmigen Familien finden es abstoßend, wenn sich zwei Schwule auf der Straße küssen. Bei jungen Deutschen finden dies nur knapp die Hälfe. Mädchen sehen die Sache noch lockerer. Nur rund jede zehnte junge Frau findet es eklig, zwei sich küssende Jungs zu sehen. Wenn Mädels schmusen, so scheint das praktisch niemanden zu stören - egal ob Mann oder Frau, das finden ziemlich genau zehn Prozent "schlimm".

Bedenklich ist auch, dass beinahe die Hälfte der jungen Türken keinen Kontakt mit einem schwulen Nachbarn haben möchten Jugendliche aus der ehemaligen UdSSR lehnen dies zu rund 35 Prozent ab. Spitzenreiter in Sachen Toleranz sind wiederum die deutschen Mädels. Nicht einmal jede zweihundertste Teilnehmerin der Studie würde den Nachbarn missachten, weil er schwul ist. Auch hätte nur rund jede zwanzigste junge Frau das Gefühl, in der Erziehung etwas falsch gemacht zu haben, wenn das eigene Kind schwul oder lesbisch ist. Immerhin jeder vierte deutsche Junge hätte dieses Gefühl. Bei jungen Türkinnen sind es 60 Prozent bei jungen Türken gar 70 Prozent.

Besonders erfreulich ist, dass über 90 Prozent der deutsch-stämmigen Mädchen und beinahe 74 Prozent der Jungs finden, dass Schwule und Lesben die gleichen Rechte haben sollen wie Heteros. Auch hier sackt der Wert bei den eingewanderten Jugendlichen ab. Nicht einmal vier von zehn jungen Türken sind der Meinung, dass Homosexuelle gleichberechtigt sein sollten. Der Studienleiter Prof. Dr. Bernd Simon von der Uni Kiel macht dafür vor allem Religiösität und ein konservatives Männerbild verantwortlich, welches ausländische Jugendliche von ihren Eltern übernehmen.

Deutlich zeigt sich jedoch auch, dass die Akzeptanz von Schwulen und Lesben steigt, wenn die Jugendlichen selber homosexuelle Freunde oder Bekannte haben.

dbna.newsletter
Bleibe immer up-to-date.
Abonniere unseren wöchentlichen Newsletter!
Weitere Quellen: Simon 2007, Einstellung zur Homosexualität, dbna e.V. Archiv