Homophobie und Gewalt

Redaktion Von Redaktion

Auch in Deutschland herrschen keineparadiesischen Zustände für Schwule, denn auch hier greift Homophobie um sich. Soergab eine Umfrage, dass jeder dritte Deutsche ein "moralisches Problem" mit Homosexualität habe.

(dbna.de / sueddeutsche.de) Die Bundesländer Berlin, Bremen und Hamburg wollen im Grundgesetz ein ausdrückliches Diskriminierungsverbot aufgrund der sexuellen Identität veranktert sehen und haben deshalb eine entsprechende Initiative über den Bundesrat gestartet (dbna berichtete). Auch die Anzahl hochrangiger Politiker in Regierungsverantwortung, die offen zu ihrer Homosexualität stehen, wächst.

Alltägliche Pöbeleien und Beleidigungen

Dass man aber von Anerkennung und Akzeptanz im Alltag noch weit entfernt ist, bezeugen die alltäglichen Pöbeleien und Beleidigungen, aber auch die immer wieder auch in Deutschland auftretenden Gewalttaten gegen gleichgeschlechtlich orientierte Personen, die sich nicht scheuen ihre Liebe auch in der Öffentlichkeit zu zeigen.

Zwischen den Ansprüchen der Politik und der tatsächlichen Umsetzung in der Gesellschaft herrsche eine ziemlich große Diskrepanz, sagte der Soziologe Bastian Fink vom schwulen Anti-Gewalt-Projekt Maneo in Berlin anläßlich des Tages gegen Homophobie im vergangenen Mai. "Wenn ein Lehrer nicht eingreift, wenn Schüler abfällig 'schwule Sau' sagen, setzt sich fest, dass es nicht so schlimm ist, das zu sagen."

Auch in Berlin Angst vor Homophobie

Gerade in der immer wieder als so bunt beschworenen Hauptstadt Berlin, über das man im Zusammenhang mit Homophobie wenig weiß, haben Homosexuelle immer noch Angst, sich mit ihrem Partner in der Öffentlichkeit klar als zusammengehörig zu zeigen. " Wenn ich meine Freundin küssen will, gucke ich mich immer erst um, ob Leute in der Nähe sind, die eine blöde Bemerkung machen könnten oder sogar mit Gewalt drohen", sagt eine lesbische 33-Jährige aus der Hauptstadt.

Der "Gallup Koexistenz-Index 2009" stellt dar, dass ungefähr jeder dritte Deutsche ein "moralisches Problem mit Homosexualität" habe. In Berlin weist die Polizeistatistik für 2008 einige Dutzend Gewalttaten gegen Schwule und Lesben aus, wogegen der Soziologe Finke von 180 solcher Verbrechen berichtet.

Probleme der Statistik

"Es ist überaus schwierig, die Zahl der Vebrechen statistisch zu erfassen", erklärt Renate Rampf.
Das Motiv und die persönlichen Lebensumstände von Täter und Opfer fänden im Falle von Gewaltdelikten selten Eingang in statistische Daten. Daher dürfte tatsächlich die Dunkelziffer auch in Deutschland höher liegen als angenommen.

Ein äußerst brutaler Fall ereignete sich 2008 im Berliner Szeneviertel Friedrichshain. Ein Mann wurde von mehrern Jugendlichen, die ihm im Park auflauerten, vom Fahrrad gerissen und krankenhausreif geschlagen. Dabei beschimpfte man ihn als "schwule Sau". Das Opfer: ein heterosexueller Familienvater.

Polizei nun mehr Schutz- statt Verfolgungsbehörde

Rampf betont aber eine bemerkenswerte Entwicklung auf Seiten der Polizei: "Bis vor einigen Jahren verstand sich die Polizei noch als Verfolgungsbehörde von Homosexuellen, heute versteht sie sich als Schutzbehörde."

Ob das aber alleine Grund zum Hoffen sein mag, dass es nicht auch in Deutschland zu tödlichen Angriffen auf Homosexuelle wie in London kommt, sei dahingestellt.

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Weitere Quellen: sueddeutsche.de, iStockPhoto.com / Nikolay Titov