Homosexualität und Diplomatie

Redaktion Von Redaktion

Ein schwuler Außenminister und die Verfolgung Homosexueller in Saudi-Arabien – auch unter diesem Blickwinkel muss man die Reise und die Politik Guido Westerwelles betrachten. Denn noch im Wahlkampf wollte er die Bestrafung und Benachteiligung Homosexueller als Außenminister anprangern.

(dbna.de / abendblatt.de) Zu sagen, dass Homosexuelle in Saudi-Arabien kein leichtes Leben hätten, wäre die Untertreibung des Jahrtausends. Schwule werden dort auch weiterhin mit der Todesstrafe bedroht auch wenn es seit Jahren keine (offizielle) Hinrichtung deswegen gegeben hat. Jedoch berichtete die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erst vor kurzem über die neuerliche Bestrafung zweier schwuler Saudis mit 7000 Peitschenhieben.

Daher war der diplomatische Besuch des offen homosexuell lebenden deutschen Außenminister Guido Westerwelle (FDP) in Saudi-Arabien eine heikle Mission. Noch im Wahlkampf hatte er ankündigte, als Außenminister die Ächtung und staatliche Verfolgung Homosexueller auch jenseits der deutschen Grenzen anzuprangern. Sogar für die Streichung der Entwicklungshilfe für solche Länder trat Westerwelle ein.

Gefährdet war der Außenminster auf seinem Besuch allerdings nicht. Ganz im Gegenteil verlief der Aufenthalt und der diplomatische Austausch überraschend freundlich und positiv. Türen blieben Westerwelle keine verschlossen.

Offizielles Thema war Homosexualität aber während des gesamten Aufenthalts nicht, ebenso wurde es nicht auch nicht hinter verschlossenen Türen offen angesprochen. Dennoch versuchte Westerwelle eine Botschaft in diplomatischen Worten bei der Pressekonferenz mit dem saudischen Außeminister Prinz Sauf al-Faisal zu verpacken. "Es gibt selbstverständlich auch Meinungsunterschiede zwischen uns. Wir haben ausführlich über die Menschenrechte gesprochen, bis hin zu der Frage der religiösen Pluralität", so der FDP-Chef und ergänzte: "Wir sind der Meinung, dass die Todesstrafe überall abgeschafft werden soll."

In dieser Hinsicht gab der 35jährige Prinz, der als weltoffenster Scheich gilt, nur von sich, dass es "unterschiedliche Wertesysteme" gebe. Andere Themen wie der Frieden im Nahen Osten, der Atomkonflikt mit dem Iran sowie die Entwicklung im Jemen nahmen wichtigere Positionen ein. Und auch im öffentlichen Leben Saudi-Arabiens spielte Homosexualität bei diesem Treffen keine Rolle: Denn darüber, dass der deutsche Außenminister ganz offiziell mit einem Mann zusammenlebt, wurde im staatlichen Fernsehen des Ölstaats gleichfalls nicht berichtet.

dbna.newsletter
Bleibe immer up-to-date.
Abonniere unseren wöchentlichen Newsletter!
Weitere Quellen: abendblatt.de, 3dfrance - Fotolia.com, Auswärtiges Amt