"Ich bin ein Mädchen, zufrieden im Körper eines Jungen"

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
"Ich bin ein Mädchen, zufrieden im Körper eines Jungen"
Leni Bolt

Lennart Wronkowitz wurde als jüngster Modedesigner Deutschlands bekannt. Doch aus Lennart wurde Leni: Ein Gespräch über Terror in Tel Aviv, Geschlechterrollen, Zielstrebigkeit und wieso Vernunft ein Fehler sein kann.

Leni, du lebst und arbeitest gerade in Tel Aviv. Was gefällt dir dort besonders?

Ich liebe den Strand hier, und die Bars, und Falafel, und die nette Supermarkt-Frau.

Inwieweit inspiriert dich die Mode und Kultur Israels?

Die Modeszene in Israel steckt noch in den Kinderschuhen. Es ist toll, andere junge Designer und ihre Visionen kennen zu lernen. Mir gefallen die hebräischen Schriftzeichen total. Mal sehen, ob ich damit einen Print gestalte.

Was ist anders als in Deutschland?

Terror gehört zum Alltag!

Hast du das denn schon hautnah erleben müssen?

Tel Aviv ist sehr klein im Vergleich zu anderen Großstädten. Wenn etwas passiert, dann unmittelbar in deiner Nähe und mindestens einer deiner Freunde kennt den Täter oder das Opfer.

Was können wir von der neuen Kollektion erwarten?

Ich arbeite gerade an meiner ersten Schmuckkollektion. Ab März wird es super ausgefallene Choker Halsketten unter dem Namen BOLTISH im Handel geben. Be prepared!

Die gab es ja in den 90ern schon mal. Wieso kommen die wieder?

Sie kommen wieder, weil alles in der Mode sich wiederholt. Ich werde allerdings Choker designen, die man zuvor noch nicht gesehen hat. 

Ofer Dabush
"Ich trage nun endlich eine Seite nach außen, die ich jahrelang versteckt gehalten habe."

"Ich trage nun endlich eine Seite nach außen, die ich jahrelang versteckt gehalten habe."

Du machst Unisex-Mode. Wieso ist dir das ein Anliegen?

Ich möchte der Welt zeigen, dass das Geschlecht heutzutage keine große Rolle mehr spielt. Mit meiner Mode kann ich den Leuten eine Plattform bieten, sich selbst auszuprobieren, ohne Grenzen von der Gesellschaft aufgezeigt zu bekommen.

Welche Message verkörpern deine Designs?

Kawaii-Realness.

Bitte was?

Der Begriff Kawaii stammt aus Japan und beschreibt alles was kitschig und cool ist! Man sieht diese Looks häufig in Tokios Stadtteil Harajuku.

Du wurdest als Lennart Wronkowitz bekannt, nennst dich jetzt Leni Bolt, verwendest aber auf deiner Homepage noch das männliche "he" und "his". Wenn du dich in eine Schublade stecken müsstest, in welche?

Ein Mädchen, zufrieden im Körper eines Jungen. #nogender

Ist das für dich ein Spiel mit Geschlecht und Geschlechterrollen?

Für mich ist es kein Spiel, sondern das wahre Leben, oder anders ausgedrückt ein Teil meiner Identität. Es wäre ein Rückschlag, diesen gewonnenen Teil wieder ablegen zu müssen. Auch wenn ich im Alltag immer noch für Akzeptanz kämpfen muss. 

Leni Bolt

In welchen Situationen denn zum Beispiel?

Öffentliche Toiletten und getrennte Umkleidekabinen. Ganz gefährliche Zone!

Bist du in zehn Jahren noch Leni oder wieder Lennart?

Puhh, wenn ich das wüsste... Ich kann dir aber sagen, dass ich zurzeit sehr glücklich bin als Leni. Ich trage nun endlich eine Seite nach außen, die ich jahrelang versteckt gehalten habe.

Mit 16 nannte man dich den jüngsten Modedesigner Deutschlands. Wie wichtig ist es, sich früh Ziele zu setzen und die zu verfolgen?

Wie du siehst arbeite ich immer noch in der Modebranche. Es hat also seine guten Seiten, früh zu wissen, in welche Richtung es gehen soll. Ich weiß aber auch, dass viele Kids Schwierigkeiten haben, eine Berufsvorstellung zu entwickeln, und das ist auch völlig okay! Irgendwann findet doch jeder seinen Platz im Leben.

Eine Karriere geht selten steil nach oben. Hast du Rückschläge erlitten? Was hat nicht geklappt?

Mein Fehler damals war die Vernunft. Während des Hypes um meine Person begann die stressige Abitur-Phase, und ich musste Events und TV-Drehs absagen, um die Schulbank zu drücken. Das war mein Aus in der Mode- und Medienwelt. Ich wusste aber immer, dass ich dahin zurückkehren möchte. Et voilà, hier bin ich!

Shahaf Mor
"Für mich ist es kein Spiel, sondern das wahre Leben."

"Für mich ist es kein Spiel, sondern das wahre Leben."

Wie bist du damit umgegangen?

Als ich nach meinem Abi nach Berlin gezogen bin, wurde mir erst einmal klar, wie groß die Konkurrenz wirklich ist. Ich brauchte einiges an Zeit, um mich selbst zu finden.

Für dich war immer klar, dass du aus der Provinz wegziehen wirst. Wieso?

In meiner Heimat gab es einfach keine Zukunft für mich. Du musst die Welt bereisen, um zu verstehen, was die Welt von dir will.

Hast du in deiner Heimat darunter gelitten, anders zu sein als die anderen?

Ja, die Zeit als Teenager war scheiße! Es gibt dort einfach keine sichtbare LGBTQ-Community. Ich habe schon öfters mit dem Gedanken gespielt dies zu ändern, um den Weg anderen zu erleichtern.

Wie möchtest du das denn ändern?

Vielleicht mit einem öffentlichen Projekt oder Räumlichkeiten, wo die Leute sich treffen können.

Was planst du für die Zukunft?

Ich werde im Februar die Londoner und Mailänder Fashion-Week besuchen, um mein Label BOLTISH dort zu präsentieren.

Ergänze zum Schluss den Satz: In zehn Jahren bin ich

die Ex von Brad Pitt! 

Kommentare
Kommentare werden geladen
dbna.newsletter
Bleibe immer up-to-date.
Abonniere unseren wöchentlichen Newsletter!
Weitere Quellen: Leni Bolt