"Ich habe 25 Jahre lang gelogen"

Redaktion Von Redaktion
"Ich habe 25 Jahre lang gelogen"
Wikipedia/Longbomb/CC-BY-3.0

Zum ersten Mal nach seinem Coming-out äußerte sich Ex-Fußballer Robbie Rogers in einem Zeitungsinterview über sein jahrelanges Versteckspiel und warum es für ihn damals keine andere Möglichkeit gab, als seine Karriere zu beenden.

Mit 14 Jahren habe er gewusst, dass er schwul ist, sagte der 25-Jährige. Er habe sich bereits in seiner Schulzeit als Aussätziger gefühlt. Er konnte niemanden erzählen, dass er auf Jungs steht. "Ich habe noch Glück gehabt, weil meine Schwestern cool waren und ich der Fußball-Typ war. Das hat das Verstecken einfacher gemacht." sagte Rogers gegenüber der englischen Zeitung "Guardian".

Er zwang sich, mit Mädchen auszugehen, um sich selbst etwas vorzumachen. "Ich habe versucht, mich selbst zu verändern. Ich habe mich mit den schönsten, intelligentesten und aufregendsten Mädchen gedatet. Wenn ich hetero wäre, wäre ich bei diesen durchgedreht. Einige von ihnen sind bis heute meine Freunde."

Versteckspiel als Profi-Fußballer

Dieses Versteckspiel musste er auch während seiner Zeit als Profi fortführen, was ihn sehr unglücklich machte - selbst bei großen Triumphen. Als er 2008 mit Columbus Crew die Meisterschaft der Major League Soccer (MLS) gewann, wurde danach in einer Bar gefeiert. 'Du müsstest so glücklich sein', dachte er. Nach ein paar Drinks sei er gegangen. "Ich saß in meinem Zimmer und dachte: 'Ich bin schwul, kann mich aber nicht outen, weil ich den Fußball so liebe. Was soll ich machen?'" sagte Rogers. "Je erfolgreicher du wirst, desto schwieriger wird dieser Weg."

Rogers erzählte weiter: "Im Fußball ist es unmöglich, sich zu outen weil es bis jetzt keiner getan hat. Keiner. Es ist verrückt und traurig. Ich dachte mir: 'Warum hörst du nicht einfach auf, gehst zurück zu deiner Familie und bist glücklich?'. Stell dir vor, du gehst jeden Tag zum Training und bist jeden Tag im Rampenlicht? Es ist ohnehin ein Zirkus aber das wäre zu verrückt gewesen."

Rogers hatte auch Angst vor der Reaktion der Teamkollegen. "Ich wäre immer noch die selbe Person gewesen, aber hätten sie mich nach meinem Coming-out anders behandelt wenn wir in der Umkleidekabine wären oder im Bus?". Auch homophobe Äußerungen und Schwulenwitze hatten Rogers nachdenklich gemacht. "Das war der Zeitpunkt, als ich immer in schlechtes Gefühl im Bauch hatte. Am liebsten hätte ich mich weggedreht und über andere Dinge gesprochen. Oft meinten sie es nicht so, wie sie es sagten. Es hatte mich trotzdem verletzt."

"Fußball ist ein aufregender Sport", sagte Rogers. "Aber er ist auch ein brutaler Sport, der einzelne Personen herunter macht. Dann noch schwul zu sein, das ist kein schöner Cocktail."

Keine Rückkehr nach dem Coming-out

Rogers glaubt, dass es für ihn unmöglich gewesen wäre, nach seinem Coming-out als Profi-Fußballer weiter zu machen. "Ich denke, es wäre nicht möglich gewesen am nächsten Tag zum Training zu gehen. Das wäre so verrückt gewesen. Die Jungs hätten gesagt 'Dein Coming-out ist großartig, Robbie!' - vielleicht. Nachdem was ich in den Umkleidekabinen gehört hatte, dachte ich einfach: 'Ich muss das beenden. Meinen Frieden finden und weg von hier.'"

Rogers stand zuletzt in England bei Leeds United unter Vertrag. Er könne sich durchaus eine Rückkehr zum Fußball vorstellen: "Fußball wird immer ein Teil von mir sein. Ich weiß nicht, ob meine Karriere wirklich schon vorbei ist."

"Jetzt bin ich aber erst einmal glücklich, dass ich den Leuten gegenüber ehrlich sein kann. Ich war 25 Jahre lang nicht ich selbst, ich habe 25 Jahre gelogen. Das ist sehr, sehr hart."

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Weitere Quellen: Guardian, Pinknews, Wikipedia/Longbomb/CC-BY-3.0