Ich kann nicht wieder zurück. Niemals.

Falk Steinborn Von Falk Steinborn
Ich kann nicht wieder zurück. Niemals.
creisinger/istockphoto

Seit anderthalb Jahren lebt Rodrigue in Deutschland. Seit August 2011 ist er mit seinem Mann verheiratet. Nun droht ihm die Abschiebung. Die Asylbehörden sind sich seiner Homosexualität nicht sicher. Ein Interview mit Rodrigue über sein Leben in Kamerun.

Es blieb ihm nur die Flucht. Rodrigue (30) wurde im Herbst 2010 von der kamerunischen Polizei als schwul entlarvt. Sie hatten ihn mit einem anderen Mann erwischt. Daraufhin brach für ihn eine Welt zusammen.

Seit anderthalb Jahren lebt er in nun in Deutschland. Er hat Asyl wegen sexueller Verfolgung in seinem Heimatland beantragt und ist mittlerweile sogar mit einem Deutschen verpartnert. Trotzdem droht ihm die Abschiebung. Dagegen kämpft Rodrigue unter anderem mit einer Onlinepetition. Denn eines ist für ihn klar: "Ich kann nicht wieder zurück. Niemals."

Rodrigue, wie ist die Situation von Schwulen in Kamerun?
Die Situation für Schwule in Kamerun ist schrecklich. Homosexualität ist dort eine sehr delikate Angelegenheit. Sie ist verboten. Wenn man dich erwischt, dann kommst du ins Gefängnis. Aber die Gefängnisse sind der Weg zum Tod. Sie sind nicht sauber, es gibt Krankheiten, mangelt an Sicherheit etc. Sprich: Als Schwuler kann man nicht offen in Kamerun leben. Man muss sich verstecken. Es gibt Schwule, die mit Frauen verheiratet sind, damit niemand von ihrer Sexualität erfährt. Ich könnte keine schwule Beziehung haben. Niemals.

Aber du hattest einen Freund.
Ja, ich hatte einen Freund. Aber das war eine geheime Beziehung. Trotzdem hat die die Polizei uns überrascht.

Wie hat sie das rausgefunden?
Ich habe keine Ahnung. Vielleicht hat uns jemand verraten. Ich weiß nicht. Fakt ist: Sie haben uns angegriffen und uns zur Polizeistation gebracht. Es war eine lange Geschichte und alles wurde in meinem Protokoll festgehalten. Aber es tut mir zu sehr weh, darüber zu sprechen. Ich will das nicht nochmal gedanklich wiederholen. Das ist noch immer ein Trauma.

Danach hat dich deine Familie verlassen.
Nachdem ich von der Polizei festgenommen wurden war, war ich einer sehr kritischen Situation. Bisher wusste ja niemand von meinem Schwulsein. Deshalb war mein Kopf voll von Ängsten. Ich fürchtete Sätze wie: Das ist nicht normal. Wie kannst du schwul sein? Das ist nicht okay, dass du so bist. Schließlich sprach ich dann mit einer Familie. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie mich fallen lässt. Aber sie tat es. Sie sagten, ich sei nicht normal. Aber wenn das mein Weg ist, dann könnte ich nicht auf sie zählen.

Und danach bist du noch in Kamerun geblieben oder bist du direkt geflohen?
Ja, danach bin ich noch drei Wochen in Kamerun geblieben. Ich habe versucht zu fliehen.

Hättest du dir nicht vorstellen können versteckt zu leben?
In Kamerun?

Ja.
Nein, wie könnte ich. Ich war ja in Kamerun als schwul bekannt. Ich würde dort niemals so leben können, wie ich bin. Sie würden mich verfolgen, wenn ich dort wäre. Als ich noch in Kamerun war kurz vor meiner Flucht haben selbst die Medien versucht, mich zu finden.

Wie hat sich denn dein Leben in Deutschland im Vergleich dazu verändert? Du bist mit einem deutschen Studenten verpartnert.
Mein Leben hat sich nicht wirklich verändert. Denn seit ich verheiratet bin, lebe ich einen Alptraum. Ich dachte, dass ich den  Mann meines Lebens gefunden hätte und endlich ein ruhiges Leben führen könnte. Aber seit ich verheiratet bin, haben wir keine Zeit mehr zu atmen, ein normales Leben zu führen oder unsere Flitterwochen miteinander zu verbringen. Wir haben nur Probleme über Probleme.

Du sprichst von der Abschiebung. Dagegen versuchst du nun auch mit einer Online-Petition (siehe Link) anzukämpfen. Dafür alles Gute und das Beste für dich und deinen Partner. Danke für das Interview.

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