Im Rausch der Geschwindigkeit

Redaktion Von Redaktion

Debatten über Flatrate-Saufen und Alkoholmißbrauch durch Jugendlicheverdrängen die letzten Jahre die Diskussion über eine weitere Sucht:die nach immer höheren Geschwindigkeiten. 

Als zwei PKW mitten in Immenstadt mit über 100 Sachen vorbei rauschten, schloss sich ein 19 Jahre alter Fahranfänger dem vermeintlichen Privatrennen an. Das böse Erwachen folgte auf den Fuß, als sich das eine Auto als Zivilstreife herausstellte. Ergebnis: Lappen weg, aber keine Verletzten.

So glimpflich für alle Beteiligten - selbst für den 19-jährigen Fahrer! - gehen nicht alle Hochgeschwindigkeitsfahrten aus, deren einziger Zweck darin besteht, seine eigenen Grenzen aus "Spaß" zu testen. Rasen ist die dritthäufigste Unfallursache auf Straßen in Deutschland. Dabei lassen sich aber zwei von fünf Verkehrstote auf zu schnelles Fahren zurückführen.

Gefährlicher als Autobahnen: Landstraßen

Doch es sind nicht die Autobahnen, die deutlich aus dem Statistiken hervor stechen. Gerade auf Landstraßen ereignen sich am häufigsten tödliche Unfälle, drei von fünf Verkehrstoten sterben hier. Grund: Gerade dort fahren zu viele Menschen zu schnell, berücksichtigen die Witterungsverhältnisse nicht oder überschätzen ihre fahrerischen Fähigkeiten.

Zur Risikogruppe zählen besonders junge Autofahrer und Motorradfahrer, denn die häufigste Todesursache bei Jugendlichen zwischen 18 und 24 Jahren sind Verkehrsunfälle. Jeder fünfte Verkehrstote zählt zu dieser Altersgruppe, obwohl nicht mal jeder zwölfte der Gesamtbevölkerung zu dieser Altersgruppe gehört. Da gerade die jüngeren Fahrer durch hohe Risikobereitschaft und fehlende Erfahrung auffallen, haben die anderen, älteren Verkehrsteilnehmer ein drei Mal niedrigeres Unfallrisiko.

Dennoch: 2008 so wenig Verkehrstote wie noch nie seit 1950

2008 starben insgesamt 4477 Menschen auf deutschen Straßen - so wenig  wie noch nie seit 1950 in der Bundesrepublik. Im Jahr zuvor lag die Zahl noch um 9,5 Prozent höher. Gleichfalls ging die Zahl junger Fahranfänger, die durch einen Verkehrsunfall starben, von 2007 auf 2008 um 14 Prozent zurück. Die Gründe dafür sind zahlreich, häufig werden die Gurtpflicht (1976 eingeführt), die niedrigere Promillegrenze sowie die verbesserte Technik genannt.

Manchen Politikern sind das aber nicht genug Maßnahmen. So fordert der Verkehrsexperte der Grünen-Bundestagsfraktion, Anton Hofreiter, schärfere Tempolimits (30 Kilometer pro Stunde innerorts, 80 auf Landstraßen und 120 auf Autobahnen). Sabine Bätzing (SPD), die damalige Drogenbeauftrage der Bundesregierung, forderte 2007 ein Rauchverbot für Autofahrer und 2009 eine generelle Senkung der Promillegrenze im Straßenverkehr von 0,5 auf 0,3. Bereits seit 2007 gilt für alle Fahranfänger die sogenannte Null-Promille-Grenze.

Schärfere Strafen und härteres Vorgehen der Polizei

Auch die Strafen für Raser wurden in den letzten Jahren nicht nur verschärft (längere Fahrverbote, höhere Geldstrafen, mehr Punkte), sondern sind gekoppelt mit einem härteren Vorgehen der Polizei. Vermehrt werden Radarkontrollen durchgeführt. Häufig werden die "Blitzer" inzwischen dauerhaft montiert. Dabei ist die Technik inzwischen so ausgereift, daß die Fahrer unbemerkt geblitzt werden. So wurden beispielsweise in den 24 Stunden nach dem Aufstellen einer neuen Radaranlagen 668 Raser geblitzt - trotz angehobenen Tempolimit und Warnhinweisen.

Ebenso greift man im europäischen Ausland härter durch. In Spanien beispielsweise wurde nach französischem Vorbild ein Punkte-Führerschein eingeführt: Jeder Autofahrer erhält zwölf Pluspunkte. Abhängig vom Verstoß werden davon zwei bis sechs Punkte abgezogen sowie Geldstrafen zwischen 90 und 600 Euro verhangen. Werden null Punkte erreicht, so hat der Inhaber seinen Führerschein für sechs Monate abzugeben, eine Verkehrsschulung aufzusuchen, sowie eine Theorie-Prüfung abzulegen. Gleichzeitig greifen bei Verkehrsdelikten härteren Strafen. Für Rasen und Alkohol am Steuer kann man so nun mit bis zu fünf Jahren Haft rechnen.

Die Verantwortung jedes Einzelnen zählt

Letztendlich ist aber die Verantwortung jedes einzelnen Autofahrers gefragt. Raser gefährden zum einen sich selbst, aber gleichfalls die Menschen in ihrer Umgebung: weitere Fahrzeuginsassen sowie andere Verkehrsteilnehmer. Schärfere Strafen sind kein Allheilmittel. Denn wer weder das eigene Leben noch das anderer schätzt, sowie respektiert und sich nicht für sein eigenes Handeln verantwortlich zeigt, den erschüttert auch nicht die strafrechtliche Keule.

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