Insekten: Versehentlich schwul

Andreas Graf Von Andreas Graf
Insekten: Versehentlich schwul
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Unter Insekten ist es durchaus nicht selten, dass Männchen auch mit anderen Männchen Sex haben. Dabei handelt es sich dann aber keinesfalls um schwule Artgenossen. Die Ursache für die gleichgeschlechtlichen Befruchtungsversuche ist viel banaler: Im Eifer des Gefechts kommt es schon mal zu Verwechslungen.

Die optische Nähe zwischen beiden Geschlechtern macht eine eindeutige Identifizierung kompliziert. Und auch der eigentlich unterschiedliche Duft kann trügen.

Fortpflanzung bei den Insekten: Masse statt Klasse

Dabei ist eine solche Fehleinschätzung bei einigen Säugetieren und Vogelarten durchaus von Nutzen, wie ein Schweizer und ein Israelischer Forscher nun feststellten: Auf diese Weise bekommen schon sehr junge Männchen die entsprechende Übung. Für die Insekten war das aber keine Erklärung, denn hier ließ sich kein Vorteil durch frühzeitiges Praktizieren nachweisen.

Nach der Beobachtung von 110 unterschiedlichen Insektenarten kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass es sich in 80% der Fälle um eine bloße Verwechslung handeln muss. Das Kalkül dabei: Der Aufwand für die Insekten, das Geschlecht erst einwandfrei feststellen zu können, ist größer, als jener für eine vergebliche Befruchtung.

Nur nicht kleinlich sein: Auch artfremde Insekten werden Opfer von Begattungsversuchen

Diese Nachlässigkeit geht sogar soweit, dass einige Männchen auch artfremde Insektenarten begatten. Für den australischen Juwelen Käfer scheinen beispielsweise braune Bierflaschen unwiderstehlich zu sein.

Eine mögliche Erklärung sehen die Forscher in dem Duft. Dabei handelt es sich eigentlich um das maßgebliche Entscheidungsmerkmal zwischen Weibchen und Männchen, weil sich beide Geschlechter optisch sehr ähnlichen sehen. Doch von früheren Befruchtungen könnte durchaus noch ein weiblicher Duft an den fremden Männchen anhaften.

Vorsicht Verwechslungsgefahr: Sexuell sehr aktive Männchen vertun sich besonders oft

Trotzdem erschien für die Forscher zunächst ungewöhnlich, dass der zusätzliche Aufwand für eine eindeutige Bestimmung des Geschlechts nicht betrieben wird. Denn eine Fortpflanzung im Tierreich ist stets auch mit Risiken verknüpft: Räuber und Geschlechterkrankheiten sorgen dafür, dass sich die Lebenserwartung bei häufigem Geschlechtsverkehr erheblich reduziert.

Die Auflösung erklären sich die Wissenschaftler folgendermaßen: Sexuell besonders aktive Männchen vielen dadurch auf, dass sie das richtige Geschlecht häufig verfehlten. Doch Insekten, die sexuell aktiver sind, sind vermutlich auch durchsetzungsfähiger gegenüber der Konkurrenz und erfolgreicher bei der Jagd - was ihnen dann unter dem Strich trotzdem ein erfolgreicheres und sichereres Dasein beschert.

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