Internetsucht

Patrick Fina Von Patrick Fina

Jugendliche wollen in ihrer Freizeit Spaß haben. Doch oft entwickelt sich das, was eigentlich nur als netter Zeitvertreib gedacht ist, zur Sucht. Ein Verlangen, das der Betroffene nicht mehr kontrollieren kann. Wenn das World Wide Web dein Leben bestimmt.

Jeden Tag das selbe. Timo kommt gestresst von der Schule nach Hause. Mathe, Englisch und Geschichte haben ihm den Rest gegeben. Jetzt muss er sich erst einmal von dem harten Schultag erholen. Timo geht die Treppe rauf in sein Zimmer und schaltet den Computer ein. Eigentlich hätte er einige Sachen zu erledigen. Aber das kann er auch noch später machen. Der Computer ist im Moment wichtiger. Obligatorisch stellt Timo eine Verbindung zum Internet her. Jeden Tag das selbe. Er war diesen Monat schon zu oft online. Das weiß er. Die Telefonrechnung müsste auch dieses mal wieder schwindelerregend hoch sein. Sein Vater wird ihm sicherlich den Kopf abreißen, wenn er ihn schon wieder online sieht. Aber er kann einfach nicht anders. Jeden Tag das selbe. Einige Stunden später schaltet Timo den Computer wieder aus. Er hat gar nicht realisiert, wie lange er jetzt im Internet war, und trotzdem wäre er gerne noch ein wenig weiter in die Tiefen des Internets eingedrungen. Man könnte schon fast sagen, dass er jetzt ein schlechtes Gewissen hat. Aber er weiß, dass neben dem Internet die Schule nicht zu kurz kommen darf. Was Timo allerdings nicht weiß: er hat ein Problem. Ein Problem, das immer mehr deutsche Jugendliche haben. In den vergangenen Jahren hat das Phänomen Internet-Abhängigkeit drastisch zugenommen. Und auch Timo leidet unter dieser Sucht.

Jugendliche wollen in ihrer Freizeit Spaß haben. Verständlich! Doch oft entwickelt sich das, was eigentlich nur als netter Zeitvertreib gedacht ist zur Sucht: zwanghaftes Verlangen, das der Betroffene nicht mehr kontrollieren kann. So sieht es auch bei der Internetsucht aus. Besonders Jugendliche wie Timo sind nicht selten betroffen. "Sie kommen nicht mehr los von diesem Medium, vernachlässigen Beziehungen und Pflichten in der Schule. Ohne das Internet zu sein, können sie kaum ertragen", erklärt Matthias Jerusalem von der Humboldt-Universität in Berlin. Die gute Sache dabei: es gibt Auswege aus jeder Sucht. Allerdings muss diese erst als solche erkannt werden. Und das ist nicht immer leicht. Anzeichen für eine drohende oder bereits bestehende Internetsucht sind der überwältigende Drang online zu sein, Müdigkeit aufgrund durchsurfter Nächte und viele erfolglose Versuche, die Online-Zeit zu verringern. Betroffene werden nicht selten nervös, manchmal sogar aggressiv, wenn der Zugang zum Netz ausnahmsweise einmal nicht möglich ist. Laut Matthias Jerusalem sind besonders Jungen und Mädchen mit einem schwachen Selbstwertgefühl und Kontaktproblemen betroffen. "Im Internet können sie Gefühle leichter aussprechen und Beziehungen schneller aufbauen."

Ein weiteres Signal, das bei nahezu jeder Abhängigkeit auftritt, ist der hohe Kostenfaktor. "Ob einer ständig im Internet ist, am Telefon hängt oder Berge von Süßigkeiten verschlingt das alles kostet viel Geld. Wenn die Telefonrechnung über längere Zeit viel höher ist als gewohnt oder die Ausgaben für Süßes ständig steigen, dann wird es Zeit die Notbremse zu ziehen", sagt Helga Meeßen-Hühne von der Landesstelle gegen die Suchtgefahren in Magdeburg. Leider ist es nicht leicht aus einer Sucht auszusteigen. Aber grundsätzlich gilt für den Ausstieg aus jeder Art der Sucht: "Das Wichtigste für Jungen und Mädchen ist, sich diese einzugestehen. Denn nur wer seine Sucht kennt, ist in der Lage eine Lösung zu finden", sagt Helga Meeßen-Hühne weiter. Der nächste Schritt wäre, sich einzugestehen, dass es auch ohne Computer und Internet ein funktionierendes Leben gibt.

"Für viele ist die Sucht eine Ersatzbefriedigung", so Meeßen-Hühne. Die Betroffenen sollten sich erst einmal Gedanken machen, ob es nicht noch etwas anderes gibt, das ihnen Spaß macht. Wofür interessiert er sich besonders, welchen Hobbys geht er gerne nach? Ziel müsse es laut Meeßen-Hühne sein, die Zeit die für den Gegenstand der Sucht "draufgeht" für andere sinnvolle Aktivitäten zu nutzen. Vielleicht fällt es dem Betroffenen leichter, wenn er sich an eine Person seines Vertrauens wenden kann, um mit ihm über sein Problem zu sprechen. Das können Freunde sein, Lehrer oder im besten Fall die Eltern. Trotzdem sollte man das Internet nicht direkt komplett aus seinem Leben verbannen. Man muss nur lernen, die Onlinezeit richtig einzuteilen. Der "Konsum" muss noch kontrollierbar sein. "Diese Aktivität ganz zu verbieten hat wenig Sinn", weiß die Expertin.   

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