"Ist mein Sohn schwul?"

Redaktion Von Redaktion
"Ist mein Sohn schwul?"
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Anbieter von sogenannten "Apps" haben schon mehrfach mit zweifelhaften Applikationen für Schlagzeilen gesorgt. Jetzt wurde am 26. September eine Android-App veröffentlicht, das Müttern für 1,99€ verspricht, herauszufinden ob ihr Sohn schwul sei oder nicht.

Anbieter von sogenannten "Apps" haben schon mehrfach mit zweifelhaften Applikationen für Schlagzeilen gesorgt. Zuletzt vor etwa drei Wochen musste eine offensichtlich antisemitische App aus dem iTunes-Store entfernt werden. Jetzt wurde am 26. September eine Android-App veröffentlicht, das Müttern für 1,99 verspricht, herauszufinden ob ihr Sohn schwul sei oder nicht.

emmene-moi/Google

20 klischeehafte Fragen sollen Gewissheit bringen

Die App besteht aus einem Fragebogen, der 20 verschiedene Fragen enthält. Hier wird sich an  Klischees wie z.B. "Mag er Fußball?" oder "Braucht er lange im Bad?" bedient. Hat man alle Fragen ordnungsgemäß beantwortet, dann werden diese ausgewertet und man bekommt eines von zweien möglichen Ergebnissen: Entweder "Machen Sie sich keine Sorgen, Ihr Sohn ist nicht schwul" oder "Ihr Sohn ist schwul akzeptieren Sie es".

Die App sorgt für Empörung und Unverständnis

Kritik wird bei diversen Schwulen-Organisationen, v.a. aus Frankreich und der Schweiz, laut. Die Fragen seien äußerst klischeehaft und würden dadurch Vorurteile fördern. "Centre LGBT" (Lesbian, Gay, Bisexual & Transgender) erwägt sogar gegen den französischen Entwickler, Christophe De Baran, zu klagen.

De Baran spielt sämtliche Kritikpunkte herunter und rechtfertigt sich damit, dass es völlig legitim sei, wenn eine Mutter herausfinden wolle, ob ihr Sohn schwul sei oder nicht. Zudem gibt er zu bedenken, es handle sich hier um keine wissenschaftlich fundierte Anwendung, sondern es sei eine eher humorvolle Art der Unterstützung von Müttern. Sie könnten damit vielleicht die Homosexualität ihrer Söhne besser akzeptieren.

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Nur ein "Missglückter Versuch"

Ganz so eng sieht es der Vorsitzende, der Homosexuellen Initiative (HoSi) Wien, Christian Högl, nicht. "Das ist wohl eher ein missglückter Versuch, jeder Aufruhr darüber wäre vermutlich unnötige Werbung. Mir und wahrscheinlich auch den meisten anderen Homosexuellen ist so etwas ziemlich egal. Das regt mich nicht auf", so Högl.

Er vergleicht die App mit einer älteren Apple-App, die Heilung für Homosexuelle versprach. Diese wurde nach einer damals umgehend entfernt (dbna berichtete). So etwas sei offensiv homophob. Der Fragenkatalog sei natürlich klischeebeladen und würde unschöne Stereotypen zeichnen, aber letztendlich sei so etwas harmlos.

Petitionen machten Druck

Diverse Internetportale hatten dazu aufgerufen, Petitionen für die Entfernung der App zu unterschreiben. Das Portal  "allout.org" konnte eine Petition mit mehr als 37.000 Unterschriften bei den französischen Behörden einreichen.

Google reagiert

Nach etwas mehr als zwei Wochen nach der Veröffentlichung der scharf kritisierten Applikation hat Google reagiert. Die App wurde aus dem Android-Store gelöscht und zwar kommentarlos. Die zahlreichen Petitionen hatten offensichtlich beträchtlichen Druck auf das Unternehmen, das der Betreiber des Android-Stores ist. Trotz mehrfacher Anfangen von Journalisten hatte der Konzern sich nicht dazu geäußert, dass er mit seinem Store solchen Anwendungen eine Plattform bot.

Weiterhin Unverständnis beim Autor

Der selbst schwule Autor dieser Applikation, Christophe De Baran, kann die Aufregung nicht nach vollziehen. Er habe lediglich ein kleines Computerprogramm entwickelt, das bestimmte Verhaltensweisen, die angeblich auf Homosexualität hindeuten würden, abfragt. Eltern sollten das eher humorvoll sehen, um sich mit der Materie vertraut zu machen.

De Baran hat, im Zuge des aktuellen Medienrummels um ihn, verkündet, dass er auch ein Buch mit dem selbigen Titel (orginal: "Mon fils est-il gay?")  schreiben möchte. Das wäre dann sein zweites Buch, denn schon vor drei Jahren veröffentlichte er den schwulen Roman "La Raison du cur" ( dt: "Die Vernunft des Herzens").

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Weitere Quellen: focus.de, wallstreet-online.de