Jedem seine Meinung

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Jedem seine Meinung
YouTube/Dolce & Gabbana

Der schwule Designer Domenico Dolce ist dagegen, dass Homosexuelle Kinder adoptieren. Das darf er, das ist seine Meinung. Allerdings muss er dann auch ertragen, dass Promis seine Kleider boykottieren oder verbrennen. Dass Dolces Ansichten kritisiert werden, ist kein Angriff auf die Meinungsfreiheit. Ein Kommentar.

Alles begann am Wochenende mit einem Interview. Die Designer Domenice Dolce und Stefano Gabbana sprachen mit dem italienischen Magazin "Panorama" über Kinder. Gabbana sagte, er würde sofort ein Kind haben, wenn er könnte. Dolce verneinte vehement. Er lehne "synthetische Babys", "gemietete Gebärmütter" und "Sperma aus dem Katalog" ab. Er stamme aus einer traditionellen Familie mit Mutter und Vater. "Ich bin schwul, ich kann keine Kinder haben. Ich denke, man kann nicht alles im Leben haben. Das Leben hat einen natürlichen Lauf, es gibt Dinge, die nicht geändert werden. Und eines davon ist die Familie." Die Designer, bekannt für ihr gleichnamiges Label, waren bis vor zehn Jahren selbst noch zusammen gewesen.

Im Netz machte sich ein Sturm der Entrüstung breit. Elton John, dank Leihmutter zweifacher Vater, reagierte sofort auf Instagram: "Wie kommt ihr dazu, meine schönen Kinder als ,künstlich' zu bezeichnen", fragte er. "Euer altertümliches Denken ist veraltet, genau wie eure Mode. Ich werde nie wieder Dolce und Gabbana tragen." Dann prägte er den Hashtag #BoycottDolceGabbana, mit dem er zum Boykott der Designerkleidung aufrief.

"Wacht auf, es ist 2015!"

Viele Promis legten nach. Courtney Love etwa kündigte an, ihre Kleider des Labels verbrennen zu wollen. Auch der schwule Sänger Ricky Martin hat dank Leihmutter Kinder. Er twitterte: "Eure Stimmen sind zu mächtig, um so viel Hass zu streuen. Wacht auf, es ist 2015!"

Doch gleichzeitig erhoben sich auch die Stimmen, die Domenico Dolce zustimmen. So ist das nun einmal in sozialen Netzwerken. Es finden sich also Kommentare, die dieselbe Meinung ausdrücken wie die des Designers. Das ist legitim. Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist eine große Errungenschaft und leider nicht in allen Teilen der Welt selbstverständlich.

Gleichzeitig gibt es aber auch die Kommentare, die Dolces Kritikern vorwerfen, keine andere Meinung als die eigene zuzulassen. "Ein Sinnbild für unsere Zeit: Niemand darf eine andere Meinung haben als ich! Meine Meinung ist die Richtige!'", kann man etwa auf Facebook lesen.

Debatten leben von verschiedenen Meinungen

Das ist falsch. Nur weil die Meinung des Designers kritisiert wird, ist das kein Angriff auf die Meinungsfreiheit. Es ist eine Meinungsverschiedenheit, wie so oft im Alltag oder in der Politik. Um eine lebendige Debatte führen zu können, müssen wir auch die Ansichten von anderen kritisieren dürfen, ohne dass gleich solche Vorwürfe auftauchen.

Was wäre etwa eine politische Talkshow, wenn sich alle einig wären? Solche Debatten leben von verschiedenen Meinungen. Und wenn Domenico Dolce findet, dass Schwule keine Kinder haben dürfen, dann ist das zwar rückständig, aber er darf es denken. Dann muss er aber auch damit leben, dass er zurecht für seine Meinung kritisiert wird.

Doch der 56-jährige Italiener macht genau das Gegenteil: "Ich habe das von einer Person, die ich wie Elton John für intelligent gehalten habe - ich unterstreiche: habe - nicht erwartet", sagte Gabbana am Montag der Tageszeitung "Corriere della Sera". Er akzeptiert nicht, dass es noch andere Meinungen auf der Welt gibt. Sollte er aber, denn dasselbe fordert er ja für seine rückständigen Ansichten auch.

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Weitere Quellen: YouTube/Dolce & Gabbana