Kanzlerin mischt sich ein

Redaktion Von Redaktion
Kanzlerin mischt sich ein
Armin Linnartz/CC BY-SA 3.0/Wikimedia

Nachdem ein schwuler Profi-Fußballer anonym ein Interview gegeben hat, bezieht auch Bundeskanzlerin Angela Merkel Stellung und will den ungeouteten Bundesligaspielern Mut machen.

Im Rahmen des Integrations-Spieltages in der Ersten Fußball-Bundesliga ließ Merkel vernehmen: "Ich bin der Meinung, dass jeder, der die Kraft aufbringt und den Mut hat wir haben in der Politik einen längeren Prozess hinter uns wissen sollte, dass er in einem Land lebt, wo er sich eigentlich davor nicht fürchten sollte. Das ist meine politische Botschaft." Weiter fügte sie hinzu: "Dass immer noch Ängste bestehen, was das eigene Umfeld anbelangt, müssen wir zur Kenntnis nehmen. Aber wir können ein Signal geben: Ihr müsst keine Angst haben."

Spieler hat Angst vor Coming-out

Die Kanzlerin bezog sich dabei auf ein Interview des Magazins "Fluter", das von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegeben wird. Darin hatte ein schwuler Fußballprofi seine schwierige Situation offengelegt, blieb aber deswegen auch anonym (dbna berichtete).

Argumentativ sprang auch Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern München, der Kanzlerin zur Seite: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein schwuler Spieler mit unseren Fans Probleme bekommt. Der FC Bayern ist vorbereitet. Die gesamte Gesellschaft ist in diesem Punkt weiter als in den Medien dargestellt." Aufklärungskampagnen erteilte er eine Absage:  "Ich halte es für totalen Blödsinn, Maßnahmen zu ergreifen, um den Weg zu ebnen", so Hoeneß.

Keine Verantwortung für Reaktionen in anderen Stadien

Für den obersten Bayern-Chef steht fest: "Das wird über kurz oder lang kommen. Alle Vereine sind gut beraten, sich auf dieses Thema vorzubereiten, damit sie dann gute Antworten haben." Doch die Entscheidung liege alleine bei dem jeweiligen Sportler. Er könne auch keine Verantwortung für Reaktionen wie Beleidigung etwa in anderen Stadien übernehmen. Doch es gelte, so hob Hoeneß hervor, den Athleten "genauso zu schützen, wie es notwendig ist".

Auch der Geschäftsführer der Deutschen Fußballliga (DFL), Christian Seifert, hatte sich zuvor geäußert. Er könne die Angst des Profis verstehen: "Wer ein Outing verlangt, der überschätzt vielleicht ein wenig die Gesellschaft in ihrer Akzeptanz. Es ist ja einfach nicht so, dass (...) tatsächlich alle mit Toleranz und Verständnis darauf reagieren würden." In einer Erklärung versprach DFB-Präsident Wolfgang Niersbach die Unterstützung seiner Organisation, wenn sie gefordert werde: "Sollte sich ein Spieler, egal ob in der Bundesliga oder der Kreisliga, öffentlich als homosexuell outen wollen und dabei die Unterstützung des DFB benötigen, so wird unser Verband jegliche Hilfe anbieten."

Nachteile nicht überschaubar

Kritisch äußerte sich auch Ligaverbandspräsident Reinhard Rauball: "Das Thema ist bis heute ungelöst." Schlicht und ergreifend seien die Nachteile, welche ein Coming-out nach sich ziehen können, unüberschaubar. "Eine enorme Verantwortung" nehme der betroffene Spieler auf sich.

Dem Integrations-Spieltag dient Merkel als Schirmherrin. Bei dieser Aktion, die am kommenden Wochenende stattfindet, verzichten sowohl am Samstag als auch am Sonntag die Clubs auf Werbung auf den Trikots. Dafür präsentieren die Spieler auf ihrer Brust: "Geh Deinen Weg".

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Weitere Quellen: bild.de, n-tv.de, gmx.de, abendblatt.de