Kein Grund zum Feiern

Redaktion Von Redaktion

Am 23. September 1983 wurde die Deutsche AIDS-Hilfe gegründet. Seither kämpft sie gegen Unwissenheit und Ignoranz gegenüber dem HI-Virus, aber auch gegen die Benachteiligung der Betroffenen. Warum es nach einem Vierteljahrhundert harter Arbeit immer noch nicht rosig aussieht...

Genau zwei Jahre waren vergangen, seit der US-Forscher Michael Gottlieb die Häufung einer seltenen Form der Lungenentzündung beschrieben hatte, als am 6. Juli 1983 das Titelblatt des "Spiegel" die Ursache dafür ins deutsche Bewusstsein hob: "Tödliche Seuche AIDS Die rätselhafte Krankheit". Am 23. September des Jahres heute vor 25 Jahren trafen sich in Berlin zehn schwule Männer und eine Krankenschwester und gründeten die Deutsche AIDS-Hilfe (DAH).

Sie wollten den Betroffenen professionelle Hilfe anbieten und Aufklärung über die Krankheit betreiben. Damals hoffte man noch, Aids schnell Herr werden zu können. Ein Trugschluss, wie wir heute wissen. Umso mehr Arbeit für die DAH, denn sie kämpfte in den Jahren nach ihrer Gründung auch gegen Repressalien, die so mancher "Experte" den Betroffenen aufdrücken wollte. HIV-Positive tätowieren, schwule Saunen schließen Ideen gab es viele. Dass es in Deutschland nicht dazu gekommen ist, daran hatten die Aktivisten von der Aidshilfe ihren Anteil.

Aufklärung vor Ort und im Netz

Heute ist die DAH das Dach, unter dem 120 regionale Aidshilfen in Deutschland zusammenkommen. Viele Aufgaben aus den Anfangsjahren sind bis heute geblieben: Selbsthilfegruppen für HIV-Infizierte, ihre Angehörigen und Freunde, Pflege von Aids-Kranken, Präventions- und Aufklärungsarbeit. Die regionalen Aidshilfen informieren dabei die besonders gefährdeten Gruppen vor Ort, indem sie etwa in der Schwulen- oder Drogenszene unterwegs sind oder mit Prostituierten sprechen. Die DAH, die noch immer in Berlin sitzt, koordiniert die größeren Aktionen. In drei Wochen, am 13. Oktober, beginnt unter dem Slogan "ICH WEISS WAS ICH TU" die erste bundesweite Kampagne, die sich nur an Männer wendet, die Sex mit Männern haben. Dabei steht zum ersten Mal die Aufklärung über das Internet im Mittelpunkt. Mit www.iwwit.de wird es dann eine Info-Plattform für schwule und bisexuelle Männer geben. Und die ist nötig. Denn seit 2001 gibt es jedes Jahr immer mehr Menschen, die sich neu infizieren. Unter Männern, die Sex mit Männern haben, steigen die Zahlen am schnellsten.

In 25 Jahren harter Arbeit konnte sich die DAH nicht überflüssig machen. Kein Grund zum Feiern also vielleicht aber ein Grund, warum dieser Geburtstag so ganz im Stillen begangen wird. Denn schon morgen beginnt ein neuer Tag im Kampf gegen die tödliche Seuche Aids.

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Weitere Quellen: fotolia.com/Doreen Salcher; Roland Weißegger