Kein Sonderschutz für Homosexuelle in Italien

Redaktion Von Redaktion

Imitalienischen Parlament wurde eine Gesetzesnovelle abgelehnt, nach der Straftaten mithomophoben Hintergrund härter als Verbrechen mit anderen Motivenbestraft werden sollten.

(dbna.de / DiePresse.com) Eine konservative, katholische Mehrheit fand sich, um die Novellierung eines Gesetzes abzulehnen: Straftaten, die sich absichtlich gegen Homosexuelle richten, sollten danach härter bestraft werden als andere. Die Empörung der Schwulenverbände Italiens ließ nicht lange auf sich warten. Nun unterstellt man den Volksvertretern eine Abhängigkeit vom Vatikan: "Der Vatikan befiehlt, das Parlament gehorcht."

EU ermahnte Italien mehrmals

Italien verzichtet somit aus Sicht der Interessenverbände zum wiederholten Male auf den Schutz einer Minderheit und das obwohl die EU mehrmals eine Novellierung angemahnt hatte und andere europäische Länder ihre Rechtslage modernisiert haben.

Dabei wächst gleichzeitig unter den italienischen Homosexuellen die Angst, denn bereits seit Januar fanden mehr als sechzig gewalttätige Übergriffe auf Schwule und Lesben so viele wie im gesamten Jahr zuvor nicht. Gleichgeschlechtliche Paare, die sich nicht scheuten auf offener Straße Küsse auszutauschen, wurden verprügelt; Brandanschläge auf Szenelokale und Diskotheken kamen mehr als nur einmal vor.

Schwule und Lesben haben Angst

Speziell in Rom herrscht ein Gefühl der Bedrohung unter Homosexuellen. Ein schwules Pärchen wurde erst vor kurzem von einem Mann mit einem Messer attackiert, der sich mit dem Spitznamen "Hakenkreuzchen" anreden lässt. Und am vorigen Sonntag umzingelten neofaschistische Jugendliche zwei Schwule mitten in Stadt, traktierten sie mit Fußtritten und verwendeten Motorradhelme, um ihnen damit in den Unterleib zu schlagen.

Inzwischen überwacht die Polizei stärker die "Gay Street" - eine von Schwulen und Lesben bevorzugte Flaniermeile in der Nähe des Kolosseums. Alleine in den vergangenen Wochen nahmen mehr als 50.000 Menschen an zwei Großdemonstrationen "gegen Diskriminierung und Intoleranz" teil. Selbst der konservative Bürgermeister Roms, Gianni Alemanno, beteiligte sich daran, was von den Schwulenverbämdem als größter Fortschritt bewertet wurde.

Abgeordneter ekelt sich vor Schwulen

Ungeniert und ungefiltert äußerte sich kürzlich der venezianische Parlamentsabgeordnete Filippo Ascierto und gibt damit die Stimmung, die bei diesem Thema in Italien vorherrscht, wider: "Es ekelt mich an, wenn ich sehe, dass zwei Männer sich küssen. Zwar sind Jungs, die auf Homosexuelle losgehen, Schwachköpfe. Schwule aber, die ihre Homosexualität zur Schau stellen, befinden sich auf demselben Niveau", so der Parteifreund des italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi im Fernsehen.

Das Scheitern der Gesetzesnovelle im Parlament lag allerdings an einem anderen Grund: Abgeordnete, die sich klar zu ihrem katholischen Glauben bekennen, haben die Befürchtung, dass ein gesonderter rechtlicher Schutz für Homosexuelle die Gleichgeschlechtlichkeit als solche "als einen positiven Wer" anerkenne. Zudem bereite dies den Boden für eine noch weiterreichende gesetzliche Anerkennung. Die Zulassung der Homo-Ehe, Adoption von Kindern und künstliche Befruchtung seien dann die nächsten Schritte. Da man befüchtet, gerade katholische Wähler und speziell den Vatikan zu verprellen, haben die italienischen Abgeordneten die Registrierung jedweder Form nichtehelicher Partnerschaften unterlaufen.

Diskriminierung Heterosexueller?

Ebenso hat sich die linksgerichtete Abgeordnete Paola Binetti, die zudem Mitglied des erzkatholischen Opus Dei ist, gegen das neue Gesetz gewandt. Sinngemäß äußerte sie sich dahingegen, dass bei einem stärkeren Schutz Homosexueller vor Diskriminierung jeder in Zukunft schon verurteilt werden würden, wenn er das christlich-katholische Familienmodell positiv darstelle.

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Weitere Quellen: DiePresse.com, iStockPhoto.com