Keine Angst mehr!

Redaktion Von Redaktion

Schwulsein ist keine Krankheit – aber erst seit 18 Jahren. Am 17. Mai 1990 strich die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität von der Liste psychischer Erkrankungen. In Erinnerung an das Datum wird jedes Jahr der Tag gegen Homophobie begangen.

Schwulsein ist keine Krankheit was Sexualforscher Magnus Hirschfeld schon vor 90 Jahren wusste, gilt bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erst seit dem 17. Mai 1990. Damals strich sie Homosexualität von ihrer Liste psychischer Erkrankungen. In Erinnerung an das Datum wird in diesem Jahr zum vierten Mal der Internationale Tag gegen Homophobie begangen. 2005 hat der französische Literaturwissenschaftler Louis-Georges Tin den Aktionstag ins Leben gerufen.

Homophobie hier?

Erst seit 1994 taucht Homosexualität nicht mehr im deutschen Strafrecht auf. Der Paragraf 175, der Generationen von Schwulen zu Isolation und Verheimlichung zwang, mit Hilfe dessen Menschen verurteilt, ins Gefängnis und ins KZ gesteckt wurden, fiel im Rahmen der Rechtsangleichung nach der deutschen Wiedervereinigung. Vier Jahre nachdem die WHO festgestellt hatte, dass Schwulsein nicht krankhaft ist, war es in Deutschland nicht mehr strafbar.

Doch auch ohne Strafbarkeit: Homophobie ist in Deutschland an vielen Stellen Alltag. "Schwul" ist Synonym für schlecht, andersartig, sonderbar. Auf deutschen Schulhöfen kann man Worte wie "Schwuchtel" oder "schwule Sau" jeden Tag hören. Wenn selbst Menschen, die sich für Schwule einsetzen, wie der Berliner Schülersprecher Alexander Freier diese Schimpfworte verwenden, kann man sich natürlich fragen, ob das homophob ist. Denn für viele Jugendliche ist ihre erste Begegnung mit Schwulen nun mal eine Erfahrung mit der Andersartigkeit. Insofern kann der Tag vielleicht auch dazu dienen, danach zu fragen, was wir unter Homophobie eigentlich verstehen wollen.

Angst oder Gewalt?

Ist Homophobie, wie man bei Wikipedia nachlesen kann, "gegen Lesben und Schwule gerichtete Feindseligkeit" oder "die irrationale, weil sachlich durch nichts zu begründende Angst vor homosexuellen Menschen und ihren Lebensweisen"? Ist Homophobie auch "Hassgewalt", wie man von ihr beim schwulen Anti-Gewalt-Projekt Maneo täglich erfährt? Dort wurden 2006 allein für Berlin fast 200 Fälle anti-schwuler Gewalt erfasst, darunter versuchte Tötungen und schwere Körperverletzungen.

Keine Krankheit? Ein Verbrechen!

Viel krasser noch ist die Lage Homosexueller in anderen Teilen der Welt. In 75 Staaten ist Homosexualität ein Verbrechen, in einigen Ländern steht darauf sogar die Todesstrafe, etwa im Iran oder in Saudi-Arabien. Louis-Georges Tin hat eine internationale Kampagne gestartet, um die Vereinten Nationen zu einer Resolution zu veranlassen, die die Kriminalisierung von Schwul- und Lesbischsein verurteilt. Gerade deswegen ist der Tag gegen Homophobie international angelegt. Schon beim ersten Aktionstag 2005 gab es Kampagnen in über 40 Ländern.

Gerade weil viele Schwule ihre sexuelle Identität nicht unbefangen erleben können, weil sie diskriminiert und an den Rand gedrängt werden, ist der Internationale Tag gegen Homophobie wichtig.

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