Keine Homosexualität im Klassenzimmer

Redaktion Von Redaktion
Keine Homosexualität im Klassenzimmer
aremac/photocase.com

In Baden-Württemberg soll in der Schule "sexuelle Vielfalt" gelehrt werden. Dagegen macht jedoch derzeit das christlich-konservative Lager mobil - und das mit Argumenten, die bei vielen nur Kopfschütteln auslösen.

Andreas Storch, SPD, ist erst seit Anfang 2013 Kultusminister des Landes Baden-Württemberg. Ob er sich wohl ausgemalt hat, mit seinem Vorstoß für das kommende Schuljahr einen solchen Wirbel auszulösen? Dabei wollte er doch nur im neuen Bildungsplan fächerübergreifend für Toleranz im Umgang mit Homosexualität werben.

Die geforderte "Akzeptanz sexueller Vielfalt" kam aber nicht überall gut an. Konservative sowie kirchliche Kräfte stoßen sich daran und eine Online-Petition unter dem Namen "Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens" hat bereits über 120.000 Proteststimmen gegen Storchs Toleranz-Projekt gesammelt.

Petition kritisiert nicht nur Bildungsplan sondern vertritt auch homophobes Weltbild

Das liegt auch daran, weil die Argumente der Bildungsplan-Gegner angefüllt sind mit Vorurteilen, die aus einer längst vergangenen Zeit zu stammen scheinen. Es wird da von "negativen Begleiterscheinungen eines LSBTTIQ-Lebensstils" gesprochen. Die Abkürzung LSBTTIQ steht für: Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Transsexuelle, Intersexuelle und Queer. Gegen sie wird ins Feld geführt, dass sie vermehrt von "Suizidgefährdung", "Alkohol und Drogen", "hohen HIV-Infektionsraten" und "geringer Lebenserwartung" betroffen sind.

Schwerer jedoch wiegt für manchen, dass der Initiator, der baden-württembergische Realschullehrer Gabriel Stängle, und die Unterzeichner der Petition eine tief sitzende homophobe Grundhaltung zeigen. Sie unterstellen dem Ministerentwurf nämlich, LSBTTIQ-Propaganda für Sexualpraktiken, die nicht der bisherigen Normalität und Gesundheitserziehung entsprächen, zu unterstützen. Hierbei handelt es sich bereits um eine abgemilderte Version des Petitionstextes.

Befürworter verteidigen Pläne des Kultusministeriums

Das ist natürlich starker Tobak, der Stängle eine inzwischen, da der Text entschärft ist, eingestellte Strafanzeige wegen Verunglimpfung und Volksverhetzung sowie eine weiterhin laufende Dienstaufsichtsbeschwerde einbrachte. Gleichzeitig formiert sich aber auch Protest gegen den Protest. Zwei Gegenpetitionen liegen inzwischen bei 115.000 beziehungsweise 70.000 Unterstützern. Auch die Landesregierung hält dagegen.

Der sozialdemokratische Kultusminister betont, dass "Offenheit und Toleranz" an baden-württembergischen "noch stärker gelebt werden" sollen, wie das in anderen Bundesländern bereits der Fall sei. Unterstützung erhält er dafür vom grünen Koalitionspartner und der Linken. Es sei wichtig, dass die Ablehnung aller Formen der Diskriminierung zum Teil der Bildungspläne wird.

Für CDU und Kirchen steht Partnerschaft von Mann und Frau im Vordergrund

Der Stängle-Petition werfen sie vor, Zerrbilder zu verbreiten und Angst zu schüren. Die oppositionelle CDU, die evangelische und die katholische Kirche sehen das anders. Sie wollen das in ihren Augen traditionelle Familienbild, das die Partnerschaft von Mann und Frau beinhaltet, auch in der Schule gestärkt sehen. Eine gleichberechtigte Darstellung mit homosexuellen Lebensformen lehnen sie ab.

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