Keine küssenden Männer

Redaktion Von Redaktion

Nach Zuschauerprotesten wurde in England ein Werbespot mit einem schwulen Paar aus dem Programm genommen. Der Fall zeigt: Schwule in der Werbung sind nach wie vor Tabu. Und: Der Kunde ist König. Ein Kommentar.

Es ist eine antiquierte Frauenrolle, der sich der Ketchup-Produzent Heinz bedient: Morgens in der Küche stehen und Sandwiches (dick mit Majo) für die Kinder und den hektisch davonstürmenden Ehemann schmieren, Abschiedsküsschen inklusive.

All das tut aber in der neuesten Mayonnaise-Werbung kein Hausmütterchen, sondern ein schwuler Mann. Zu sehen war der 30-sekündige Spot eine Woche lang im englischen Fernsehen. Nach Protesten von Zuschauern hat die Firma den Film nun zurückgezogen.

Frittensoße für mehr Toleranz? Mitnichten. Heinz Entscheidung, die Homo-Ehe als Motiv in der Werbung einzusetzen, ist nicht etwa mutig, sie ist berechnend. Auch in Großbritannien, das in schwullesbischen Belangen als fortschrittlich gilt, erweckt ein schwules Paar mit Kindern Aufsehen. Darauf setzt Heinz, um Aufmerksamkeit für seine Mayonnaise zu erzeugen. Der Tabubruch erschien den Werbestrategen wohl nicht so groß, als dass er dem Image der Firma hätte schaden können. Warum auch, seit drei Jahren gibt es eingetragene Partnerschaften auf der Insel.

Umso inkonsequenter ist nun der Rückzieher. Ungefähr 200 Zuschauer hatten sich beim britischen Werberat beschwert, das ist für so etwas passiv Konsumiertes wie Fernsehwerbung schon eine beachtliche Zahl. Dass man bei Heinz da aufschreckt, verwundert also nicht. Aber gleich den ganzen Spot aus dem Verkehr ziehen? Es ist doch so: Gerade weil einige Ewiggestrige einen Skandal heraufbeschwören, ist zumindest der Name (wenn auch noch nicht das Produkt) der Firma in aller Munde.

Davon hätte Heinz profitieren können. Stattdessen beugt man sich den vermeintlich besorgten Eltern, die nach diesem "anstößigen" Filmchen ihren Kindern jetzt erstmal erklären müssen, wieso sich die zwei Männer da auf dem Bildschirm so liebhaben. Wir sind gespannt, wie der nächste Werbespot des Saucen-Herstellers aussehen wird. Vielleicht küssen sich dann dort wieder Mann und Frau wie sich das gehört.



dbna.newsletter
Bleibe immer up-to-date.
Abonniere unseren wöchentlichen Newsletter!
Weitere Quellen: www.queer.de, www.sueddeutsche.de