Keine schwulen Königspaare bei den Schützen

Redaktion Von Redaktion
Keine schwulen Königspaare bei den Schützen
pfosti / photocase.com

2011 sorgte ein schwules "Königspaar" bei den Schützen für Aufsehen. Das soll es in Zukunft nicht mehr geben! Der "Bund der Historischen Schützenbruderschaften" hat am Sonntag für ein Verbot gestimmt.

Die "Lex Winter" (lateinisch lex = Gesetz) ist das wohl geworden. Der Münstaner Schützenkönig Dirk Winter, der als "Königin" seinen Lebensgefährten Oliver präsentiert sorgte 2011 für Aufregung bei den Schützenvereinen. Ein homosexuelles Königspaar, so die konservative Stimmen unter den Schützen, das dürfe es nicht geben. Nun haben die Verbände aus Münster und Paderborn für ihren Dachverband einen entsprechenden Grundsatzantrag formuliert, der am Sonntag vom Bund der Historischen Schützenbruderschaften beschlossen wurde. Die Bundesvertreterversammlung in Leverkusen hat nämlich nun darüber entschieden.

"Traditionelles Rollenverständnis"

Dieser Antrag solle sich nicht gegen schwule Schützen an sich richten: "Es kann und soll auch zukünftig schwule Schützenkönige geben, aber dann bitte mit einer Königin an der Seite. Wir sind der Auffassung, dass das einfach zum traditionellen Rollenverständnis gehört", so Ralf Heinrichs, Sprecher des Schützen-Dachverbandes. Damit bestätigten sich die Medienberichte.

Winters Partner Oliver als "Königin" beruhte 2011 auf einem Kompromiss, da es eine Regelung bis dato nicht gab. Die Zauberformel sah vor, dass das schwule Paar nicht nebeneinander wie üblich, sondern hintereinander marschieren sollte.

Keine Zweifel hinsichtlich Mehrheit für Antrag

Der gestellte Antrag jetzt soll als feste Regelung ziehen. Egal ob der Schützenkönig schwul oder die Schützenkönigin lesbisch sei, der Partner solle immer vom jeweils anderen Geschlecht sein. "Das ist von unser Historie her so, aber auch von unseren Wurzeln in der katholischen Kirche, das kann man nicht verkennen", erklärt Heinrichs, der hinzufügt, dass kein Zweifel bestehe, dass der Antrag der Münsteraner und Paderborner Schützen auf der Bundesvertreterversammlung eine Mehrheit finde.

Tatsächlich wurde der Antrag nun also mit 450 Stimmen bei 28 Gegenstimmen sowie 18 Enthaltungen angenommen, allerdings nicht in der gestellten Form. Gleichgeschlechtliche Paare dürfen nun auf keinen Fall bei Umzügen nebeneinander laufen, sondern hintereinander - wie es auch bei der Kompromisslösung in Münster der Fall war. Zudem sei keine Frau mehr zwingend notwendig. Der Ursprungsantrag hatte vorgehen, dass auf jeden Fall eine Frau neben dem Schützenkönigin laufen sollte.

"Das öffentliche Auftreten als gleichgeschlechtliches Königspaar ist mit der christlichen Tradition der Bruderschaften nicht vereinbar", so eine Verbandsstellungnahme am Sonntag.

"Ausgrenzend und Menschen verachtend"

Kritik an diesem Beschluss folgt auf den Fuß. "Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften ist seines Namens nicht würdig. Brüder gehen respektvoll miteinander um und akzeptieren die Unterschiede des jeweils anderen. Dieser Verein steht damit Seit an Seit mit der Katholischen Kirche. Realitätsblind, ausgrenzend und Menschen verachtend so handelt diese Bruderschaft", erklärt Manfred Donack, Bundesvorsitzender der Liberalen Schwulen und Lesben (LiSL) noch am Sonntag Abend. Ihn wundere es nicht, dass junge Mensche die Vereine dieses Dachverbandes meiden, wenn man "derart mittelalterliche Ansichten hegt und pflegt und nicht in der Realität ankommen will". Es gebe in unserer keinen Platz mehr für Diskrimierungen dieser Art, so Donack abschließend.

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Weitere Quellen: focus.de, bbv-net.de, stern.de