Kevin die Ersten

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Kevin die Ersten
Osteröder Carneval Verein

Kevin und Kevin sind das erste schwule Karnevals-Prinzenpaar Thüringens. Ihren ersten Auftritt haben sie mit Bravour gemeistert. Doch im Vorfeld gab es Kritik von ganz oben.

Die Kleinstadt Neustadt/Harz in Nordthüringen, ungefähr zwischen Göttingen und Leipzig, hat in letzter Zeit Schlagzeilen gemacht. Denn der Osteröder Carneval Verein hat das erste schwule Prinzenpaar des Bundeslandes gekrönt: Kevin "Neon" Fuhrmann und Kevin Reimann übernehmen für eine Saison den Vereinsvorsitz.

Den ersten öffentlichen Auftritt hatten Kevin I. und Kevin I. am Samstag. Bei der Karnevalssitzung haben sie die närrische Saison offiziell eröffnet. Das Prinzenpaar hat dazu seine Rede gehalten und schließlich auch die Kussfreiheit verkündet. "Das kam sehr gut an. Die Leute haben gejubelt und sind ausgerastet vor Freude", sagt Kevin im Gespräch mit dbna.

"Der ganze Verein fand das gut und hat uns unterstützt."

Die Aufgabe des Karnevalsprinzenpaars ist es, das Land zu "regieren". "Das machen wir getreu unserem Gebot 'Gleichberechtigung, Liebe und Toleranz für jedermann'", erklärt der 23-Jährige. Damit wollen sie sich auch für die Ehe für Homosexuelle einsetzen. 

Kevin Fuhrmann/privat
Kevin Reimann (l.) und Kevin Fuhrmann sind seit sechs Monaten ein Paar. Sie wohnen zusammen in Leipzig.

Kevin Reimann (l.) und Kevin Fuhrmann sind seit sechs Monaten ein Paar. Sie wohnen zusammen in Leipzig.

Dass die beiden Kevins, die seit knapp einem halben Jahr ein Paar sind, überhaupt zum Prinzenpaar geworden sind, ist ganz kurzfristig entschieden worden. Denn lange hat der Karnevalsverein nach einem Paar gesucht, aber keiner wollte so richtig. Da hatte Kevins Schwester die Idee, dass ihr Bruder mit seinem Freund das übernehmen sollte. "Der Vorstand und der ganze Verein fanden das gut und haben uns unterstützt", erzählt Prinz Kevin.

Jeden Tag bis Aschermittwoch ist das Prinzenpaar im Stress

Kevin Fuhrmann, der als DJ und Produzent arbeitet, bald seine Single veröffentlicht und mit seinem Freund in Leipzig wohnt, stammt ursprünglich aus Neustadt/Harz. Er war schon zehn Jahre lang beim Karneval dabei, er kennt sich mit dem närrischen Treiben also aus. Sein 18-jähriger Freund ist ein Neuling: "Für ihn ist es eine ganz neue Welt. Er muss da erst einmal reinfinden", erzählt Kevin, "aber der ganze Verein hat ihn super aufgenommen und unterstützt. Es ist sehr familiär hier."

Deshalb musste er seinen Partner auch nicht überreden. "Es gab ja nicht viel Zeit, sich zu entscheiden. Und er hatte ja keine andere Wahl", sagt er und lacht dabei. Doch bisher schlagen sich die beiden sehr gut. "Man merkt aber schon, dass es Stress ist. Man hat jeden Tag bis Aschermittwoch etwas zu tun.

Osteröder Carneval Verein
Sie "regieren" mit dem Gebot "Gleichberechtigung, Liebe und Toleranz für jedermann."

Sie "regieren" mit dem Gebot "Gleichberechtigung, Liebe und Toleranz für jedermann."

Es fehle die "Lieblichkeit im Kleid", sagt der Karnevalsverband

Dass ein schwules Prinzenpaar in einer ländlichen Region so gut ankommt, hätten die beiden nicht gedacht. Sie sind ganz erstaunt von den positiven Reaktionen. "Aber ich hatte auch bei meinem Coming-out mit 15 nie Probleme hier im Ort", erinnert sich der 23-Jährige.

Es gab bisher nur eine negative Stimme, die dafür aber umso einflussreicher ist. Der Präsident des Landesverbands der Thüringer Karnevalsvereine, Michael Danz, sagte der Bild-Zeitung, zum Karneval gehöre "eine Lieblichkeit im Kleid." Der Verband hat mittlerweile zurückgerudert und relativiert auf seiner Homepage die Aussage.

Eine negative Stimme ist nichts gegen die vielen positiven Reaktionen

"Bei aller notwendigen Zeitoffenheit" sollten die Prinzenpaare als "Stützte unseres Grundverständnisses nicht einfach wegen des ersten homosexuellen Prinzenpaars aufgegeben werden", heißt es dort.

Von dieser Reaktion von ganz oben waren Kevin I. und Kevin I. erst einmal verduzt. "Wir haben es mit Humor genommmen, denn diese eine Stimme ist nichts gegen die vielen, die es großartig finden", sagt der Karnevalsprinz. Außerdem gibt es nirgends Regeln, die für Karnevalsvereine gelten. Die beiden finden es schade, dass der Verband so denke, statt stolz zu sein. "Die sollten im Jahr 2016 ankommen." 

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