Kleiner Stich, große Wirkung

Redaktion Von Redaktion

Jetzt ist es wieder soweit: Zeckenzeit - bedrohlicher als jemals zuvor. Denn ganz Süddeutschland wurde zum Risikogebiet erklärt, eine Impfung wird angeraten. Und in Brandenburg ist eine neue Zeckenart aufgetaucht. dbna beantwortet die wichtigsten Fragen.

Sie sind im Unterholz, im Gestrüpp, in hohen Gräsern oder auf Farnen. Kleine, ovale Spinnentiere, acht Beine, Saugrüssel, Krankheitsüberträger. Und es werden immer mehr, sie breiten sich immer weiter aus, es ist das Klima, es ist die Unachtsamkeit der Menschen, die sich nicht impfen lassen. Die Zecken haben Hochzeit.

Vor kurzem hat das Robert- Koch- Institut, dass jährlich eine Liste der Gebiete mit starkem Zeckenbefall herausgibt, ganz Süddeutschland zum Hochrisikogebiet erklärt. Das wäre nicht weiter schlimm, Süddeutschland war schon immer ein eines dieser Gebiete, in denen die Menschen mit der Zecken-Gefahr aufwachsen. Doch diese Zonen breiten sich auf den Karten des Robert- Koch- Instituts immer weiter aus. Teile Brandenburgs und Sachsens sind nun auch betroffen, eine Impfung wird angeraten.

Wie gefährlich sind die kleinen Tiere? dbna hat sich umgehört und beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was sind Zecken?
Zecken sind bis zu vier Millimeter große Spinnentiere. Sie zählen zur Gruppe der Parasiten, das heißt, sie dringen nicht in den Wirtskörper ein, sondern sie heften sich nur an und gehen wieder, wenn sie gefunden haben, was sie suchen. Zecken befallen Nager und Fledermäuse, Hunde und Paarhufer, Vögel, Reptilien und Säugetiere. Sie sind zwischen März und Oktober aktiv,  das hängt ganz davon ab, wie hart der Winter war. Denn wenn der Winter sehr kalt ist, dann erfrieren sie, wenn er mild ist, dann überleben die Zecken und deswegen kann man sagen, dass ihre Lebensspanne zwischen zwei und fünf Jahren liegt.

Wie finden Zecken mich?
Zecken sind Blutsauger. Bei der Suche nach Nahrung hilft ihnen ein Rezeptor, der mit Sinnesborsten ausgestattet ist, das so genannte Hallersche Organ. Die Borsten können verschiedene Stoffe erkennen, die durch die möglichen Wirte per Atem oder Schweiß abgegeben werden. Aber auch Lichtveränderungen und Vibrationen werden durch diesen Rezeptor erkannt. Wenn eine Zecke einen möglichen Wirt entdeckt, dann hängt sie sich an alles, was ihre Position streift, und krabbelt dann mehrere Stunden am Körper des Wirtes entlang, um eine geeignete Stelle für die Nahrungsaufnahme zu finden. Sie suchen gezielt nach warmer, dünner, vor allem aber gut durchbluteter Haut. Beim Menschen befallen sie deshalb gerne die Knielkehlen, den Haaransatz, die Leistenbeuge und die Haut hinter den Ohren.

Was passiert bei einem Zeckenstich?
Hat die Zecke eine mögliche Einstichstelle gefunden, ritzt sie die Haut ein und schiebt den Stechapparat in die Wunde. Das ist der so genannte Zeckenstich, der landläufig oftmals falsch als Biss betitelt wird. Mit Hilfe kleiner Widerhaken am Saugrüssel heftet sich der Blutsauger an dieser Stelle fest.

Dann gibt sie durch ihren Speichel zusätzlich Klebstoff ab, um sich gegen Erschütterungen abzusichern. Ebenfalls im Speichel befinden sich so genannte Gerinnungshemmer. Sie verhindern, dass die Blutkörperchen des Wirtes die Wunde verschließen und damit den Nahrungszufluss für die Zecke stoppen. Damit der Wirt den Einstich nicht bemerkt, sondert sie ein Betäubungsmittel ab, denn der Stechapparat einer Zecke ist größer als der einer Mücke beispielsweise, das ist schmerzhafter und das soll der Wirt natürlich nicht bemerken. Dieses befindet sich ebenfalls im Speichel. Schließlich befindet sich darin noch ein entzündungshemmender Wirkstoff, der dazu beiträgt, dass das Immunsystem des Wirtes nicht auf die Zecke anschlägt.

So eine "Mahlzeit" dauert bis zu zwei Wochen, wenn die Zecke ungestört bleibt. Dabei kann sie bis auf drei Zentimeter anwachsen und erbricht unverdauliche Nahrungsreste wieder in die Wunde des Wirtes. Speziell bei diesem Vorgang werden mögliche Krankheitserreger in den Körper des Wirtes gebracht.

Ist jede Zecke gefährlich?
Die krankmachenden Erreger besitzt die Zecke nicht selbst, sondern sie hat sie bei einer vorherigen Mahlzeit von einem Wirt aufgenommen. Sie haben im Darmtrakt der Zecke überlebt, sich vielleicht sogar vermehrt und werden nun übertragen. Das bedeutet, dass nicht jede Zecke automatisch auch Krankheitsüberträger ist. Die Übertragung geschieht nicht sofort, es dauert mehrere Stunden, manchmal auch einen ganzen Tag nach dem Einstich, bis Erreger übertragen werden. Es kommt ganz darauf an, wann die Zecke Unverdautes in den Wirtskörper zurückerbricht.

Welche Krankheiten übertragen Zecken?
Die wichtigsten Krankheitserreger, die eine Zecke auf den Menschen übertragen kann, sind Borrelia burgdorferi, die Borreliose auslösen können, und FSME-Viren, die der Frühsommer-Meningoenzephalitis schuldig sind.

Borreliose: Etwa sechs bis zehn Prozent der Zecken in Norddeutschland sind mit den Borreliose-Erregern durchseucht, in Süddeutschland inzwischen jede zweite. Damit ist die Infektion in ganz Deutschland, auch in Städten, möglich. Borreliose ist eine teilweise meldepflichtige Infektionskrankheit, die sich im gesamten Organismus ausbreitet und dabei jedes Organ, das Nervensystem, die Gelenke und das Gewebe befällt. Der Patient leidet an Fieber und Kopfschmerzen, starken Schweißausbrüche, später Sehstörungen, Herzproblemen. Wenn die Borreliose nicht erkannt wird, kann sie chronisch werden. Gegen Borreliose gibt es keinen Impfstoff und keine Immunität.

FSME: Die Frühsommer-Meningoenzephalitis ist eine Virenerkrankung, die vor allem durch Zecken, aber auch durch die Milch von Ziegen und Schafen übertragen werden kann. Sie ist insofern ziemlich heimtückisch, als dass nur ungefähr jeder fünfte Erkrankte Symptome zeigt wie starke Fieberschübe über 40 Grad, Kopfschmerzen, Erbrechen, Hirnhautentzündung. FSME führt aber, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird, zu Bewusstseinsstörungen, Koma und Lähmungen. Diese schweren Formen der FSME halten mehrere Monate an, heilen aber wieder vollständig aus. Gegen FSME gibt es eine Impfung.

Babesien: In letzter Zeit breitet sich vor allem in den neuen Bundesländern eine (in Deutschland) neue Zeckenart aus, die so genannte Auwaldzecke. Sie kann vor allem bei Hunden und Katzen auch Babesien übertragen, das sind Blutparasiten, die zu hohem Fieber und Gelbsucht führen. Für Menschen sind diese Babesien nicht gefährlich.

Kann ich mich vor Zecken schützen?
Einen wirklichen Schutz vor Zecken gibt es nicht. Man kann einerseits vorbeugen, in dem man die möglichen Verbreitungsgebiete und Lebensräume von Zecken gänzlich meidet, doch auch im eigenen Garten oder beim Sonnen auf der Wiese kann es einen treffen.

Deswegen ist es besser, lange, fest verschlossene Kleidung zu tragen und danach den Körper abzusuchen. Die Chance, dass sich die Zecke noch nicht in den Wirtskörper erbrochen hat oder überhaupt eingestochen hat, ist relativ groß. Insektenschutzmittel helfen nicht gegen Zecken.
 
Was soll ich tun, wenn mich eine Zecke gestochen hat?
Wenn die Zecke bereits zugestochen hat, entfernt man sie am besten mit einer kleinen Pinzette. Dabei wird die Zecke soweit vorne wie nur möglich gepackt und herausgehebelt. Der Griff der Pinzette darf dabei nicht gelockert werden. Sollte dabei der Kopf in der Wunde bleiben, ist das nicht dramatisch, er wird nach ein paar Tagen vom Körper automatisch abgestoßen. Die handelsüblichen Zeckenzangen sind nicht empfehlenswert, weil sie die Zecke zerdrücken. Die Zecke gerät dabei in Stress und entleert den gesamten Darminhalt in den Wirtskörper und damit noch mehr mögliche Krankheitserreger. Anders sieht es aus mit ebenfalls handelsüblichen Zeckenkarten. Sie werden unter die Zecke geschoben und dann hebelt man mit einem Griff die Zecke heraus. Ein Zerquetschen der Zecke ist so fast unmöglich.

Wichtig ist, nach einem Zeckenstich die Wunde zu desinfizieren. Dann sollte man sie fotografieren und mit Datum vermerken, damit bei möglichen Krankheitssymptomen die Diagnose leichter fällt. Das Datum hilft dabei, das Stadium der Erkrankung festzustellen, denn bei der FSME zum Beispiel treten ja bei vielen Patienten Symptome nur vereinzelt auf.

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Weitere Quellen: Süddeutsche Zeitung, Wikipedia, Encarta, Brockhaus EnzyklopädieBilder: fotolia.de