Kritik von Bush

Patrick Fina Von Patrick Fina

Kaum einen Tag ist es her, dass der Oberste Gerichtshof von Massachusetts die Homo-Ehe für rechtmäßig erklärt hat, da kommen schon erste Androhungen des Präsidenten Bush dem "Spuk" wieder ein Ende zu bereiten. Spielverderber…  

"Massachusetts schreibt Geschichte" lautet die Überschrift der dpa-Meldung, die sich wie ein Fegefeuer in der ganzen Welt verbreitet hat. Der Oberste Gerichtshof des US-Bundesstaates hat in einer Grundsatzentscheidung die so genannte Homo-Ehe für rechtmäßig erklärt und damit einen regelrechten Run ausgelöst. Denn schon am ersten Tag des neuen Gesetzes ließen sich mehrere Hundert Schwule und Lesben die neue Möglichkeit nicht nehmen und trauten sich. Damit ist Massachusetts der erste US-Bundesstaat, der eine Homo-Ehe legalisiert hat. Schon im November sorgte ein Urteil des Obersten Gerichthofs in dem Ostküstenstaat für Aufsehen, als entschieden wurde, dass die Verweigerung der staatlichen Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren diskriminierend sei und außerdem die Verfassung des US-Bundesstaats verletzt. Von daher wurde das Parlament angewiesen, die gesetzlichen Voraussetzungen zur Zulassung der Homo-Ehe ab dem 17. Mai 2004 zu schaffen. Doch das Parlament von Massachusetts stimmte im März für eine Verfassungsänderung, die Homo-Ehen ausdrücklich verbietet. Bis diese Verfassungsänderung in Kraft tritt, sind jedoch mindestens zwei Jahre ins Land gegangen. Solange lässt dich an der Gültigkeit der neuen Homo-Ehe nicht rütteln!

George W. Bush wäre nicht George W. Bush, wenn er sich nicht umgehend sauer und entrüstet über die neue Regelung in Massachusetts gezeigt hätte. "Die heilige Institution Ehe darf nicht durch radikale Juristen neu definiert werden", heißt es in einer Stellungnahme, die er gestern zur Entscheidung des Obersten Gerichtshofs von Massachusetts abgab. Er werde sich weiterhin vehement für eine Verfassungsänderung einsetzen, in der die Institution der Ehe als Bund ausschließlich zwischen Mann und Frau definiert werden soll. Auch Bushs demokratischer Herausforderer Kerry hat sich wie Bush gegen Homo-Ehen ausgesprochen. Mit einem kleinen aber feinen Unterschied: Während Bush die Ehe als Bund zwischen Mann und Frau in der Verfassung verankern lassen will, setzt Kerry eher auf eingetragene Lebenspartnerschaften, um schwul und lesbisch lebenden Paaren mehr Rechte als bisher einzuräumen. Mehrere Meinungsumfragen zeigten bereits, dass eine Mehrheit der US-Bürger die gleichgeschlechtliche Ehe ablehnt.

Da Massachusetts die Heimat des Präsidentschaftskandidaten John Kerry ist, rechnen US-Medien damit, dass das Thema den Wahlkampf weiter anheizen wird. Hier hat Kerry übrigens momentan die Nase vorne. In einer Analyse von Spiegel Online zeigte sich, dass der republikanische Präsident George W. Bush bei einer Wahl in dieser Woche nur etwa 33% der Stimmen bekommen würde. Scheinbar verlässt die Amerikaner angesichts des Folterskandals im Irak das Vertrauen in ihren Präsidenten. 

dbna.newsletter
Bleibe immer up-to-date.
Abonniere unseren wöchentlichen Newsletter!
Weitere Quellen: spiegel.de, stern.de, yahoo.de