Lebenspartnerschaft als Kündigungsgrund

Redaktion Von Redaktion

Ehrenamtliche Arbeit oder Festanstellung: Wiederverheiratung als auchdie eingetragene Lebenspartnerschaft sehen das Bistum Trier und dieCaritas als Kündigungsgrund.

(dbna.de / volksfreund.de)Nach eineinhalb Jahren ehrenamtlicher Arbeit, bei der sich Gisela Reinert gegen eine Aufwandspauschale um eine demenzkranke Trierin im Alter von 80 Jahren kümmerte, war für die Lampaderin bei der Caritas von heute auf morgen Schluss. Der Grund: Sie hatte auf einem Personalbogen der katholischen Organisation "wiederverheiratet" angekreuzt.

Unverständnis und Ärger

Über Leserbriefe machte beim Trier Volksfreund (TV) eine stattliche Anzahl Personen ihrem Unverständnis und Ärger über diese Reaktion der Caritas Luft. Der TV hatte bereits Ende September über die Entlassung berichtet. Der katholische Verband erhält nun Unterstützung vom Bistum. Man erwarte vom Bewerber eine Ausrichtung an den Grundsätzen der katholischen Glaubens- und Lebensordnung. Und weiter heißt es in einer Stellungnahme wörtlich: "Der ewigen Liebe und Treue Gottes zu den beiden Menschen, die einander heiraten, entspricht die () unauflösliche Verbindung von Mann und Frau in der Ehe". Sprich: Abgelehnt beziehungsweise entlassen wird, wer in zweiter Ehe lebt.

Homo-Ehe auch Kündigungsgrund

Gleichfalls stellt die eingetragene Lebenspartnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare (Homo-Ehe) einen Verstoß gegen die sogenannten Loyalitätsobliegenheiten im katholischen Dienst dar. Bisher kennt das Bistum aber keinen Fall, der damit damit eine Kündigung begründete.

Schon einmal hatte die Caritas - in diesem Fall nun in Wittlich - einer Altenpflegerin aufgrund ihrer zweiten Ehe gekündigt. Die Caritas-Angestellte wehrte sich juristisch und erhielt  vor dem Landesarbeitsgericht Recht. "Im Einzelfall kann der grundgesetzliche Schutz von Ehe und Familie gegenüber dem kirchlichen Selbstbestimmungsrecht () Vorrang haben", so die Richter in ihrem Urteil aus dem Jahr 1991. Die Wirksamkeit einer solchen Kündigung sei "von einer umfassenden Interessenabwägung abhängig". Auf eine Revision beim Bundesarbeitsgericht, welche das Landesarbeitsgericht zugelassen hatte, verzichtet die Caritas. Die Rechtsanwältin Dr. Margit Bastgen aus Wittlich, die an dieses Urteil erinnerte, bezeichnete dieses Ergebnis als "Sensation".

Reinerts ziehen Konsequenzen

Inzwischen haben sich auch weitere Betroffene gemeldet. Rechtliche Schritte wollen aber Gisela Reinert und ihr Ehemann Gerhard nicht ergreifen. Die Konsequenz ist nach der Bedenkzeit eine andere: "Wir treten aus der Kirche aus."

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Weitere Quellen: volksfreund.de, iStockPhoto.com